Drittmittelprojekte
- Geisteswissenschaften digital – fächerübergreifende curriculare Einbindung und Vernetzung der Digital Humanities
Digitale Methoden eröffnen neue Möglichkeiten, geisteswissenschaftliche Quellen zu erschließen und zu analysieren, sind in der universitären Lehre jedoch bislang nur teilweise verankert. Das Projekt stärkt daher die Digital Humanities in den geisteswissenschaftlichen Studiengängen der Universität Bonn und vermittelt Studierenden digitale Methoden für historische, archäologische, sprachliche und kulturelle Fragestellungen. Fächerübergreifende DH-Wahlpflichtmodule verbinden methodische Grundlagen mit fachbezogenen Übungen und fördern den Austausch zwischen den Disziplinen.
Leitung: Prof. Dr. Laury Sarti, gefördert im Rahmen des Strategiefonds Studium und Lehre „vielfältig.nachhaltig.digital“, Programmlinie „Zukunftsorientierte Lehre“ (Förderlinie II) der Universität Bonn.
- Mobilität im Zeugnis ausgewählter Briefe (1250–1500)
Die große Zahl überlieferter Briefe aus dem späten Mittelalter ermöglicht es, die Mobilität von Personen auch jenseits der Eliten genauer zu untersuchen. Insbesondere die ab dem 15. Jahrhundert zunehmend erhaltenen Privatbriefe eröffnen einzigartige Einblicke in bislang wenig bekannte Lebensbereiche. Das Projekt untersucht die in mittelalterlichen Briefen dokumentierte Mobilität und die damit verbundenen Netzwerke anhand repräsentativer Briefsammlungen aus Westeuropa zwischen 1250 und 1500. Dafür werden Briefe ausgewählt, die vergleichbare Perspektiven eröffnen und zugleich alltagsnahe Themen behandeln, um die Mobilität von Frauen in unterschiedlichen sozialen und regionalen Kontexten sichtbar zu machen. Die Briefe werden sowohl hinsichtlich ihres Austauschs als auch der darin beschriebenen Mobilität untersucht und dabei quantitativ ausgewertet sowie qualitativ analysiert.
Leitung: Prof. Dr. Laury Sarti, gefördert im Rahmen des Heisenbergprogramms der DFG.
- Mediterrane Konnektivität. Der Westen und Byzanz im frühen Mittelalter
Im Zentrum dieses Vorhabens stehen die Beziehung und Konnektivität zwischen dem Westen (Franken, Langobarden, Angelsachsen), das römische Erbe, und die Beziehungen zum imperium. Es untersucht die schrittweise Ablösung der fränkischen Königreiche vom Imperium, betont mittelalterliche Perspektiven und stellt traditionelle Annahmen über römische Identitäten und Beziehungen zwischen den Reichen infrage. Die Studie stellt eine Neubewertung schriftlicher und archäologischer Quellen dar die auch bisher unzureichend berücksichtigte Befunde diskutiert.
Leitung: Prof. Dr. Laury Sarti, gefördert im Rahmen des Heisenbergprogramms der DFG.
- Die De gestis Britonum des Geoffrey von Monmouth im Kontext des 12. Jahrhunderts
Das Projekt untersucht Geoffreys De gestis Britonum (c. 1136) als walisische Geschichte und analysiert seine Erzählstrukturen von Brutus’ Gründung Londons über König Arthur bis zum Untergang der Briten. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern Geoffreys Darstellung auf walisische mündliche Überlieferungen zurückgreift und welche politische Funktion sie erfüllt. Die starke Rezeption in Wales und die politische Instrumentalisierung des Arthur-Narrativs, etwa im Kontext der walisischen Revolte, unterstreichen die politische Wirkung des Werks. Das Projekt hinterfragt damit die Annahme, Geoffreys Sympathien hätten ausschließlich den Anglo-Normannen gegolten, und untersucht die politische Funktion der De gestis.
Leitung: Prof. Dr. Laury Sarti, gefördert im Rahmen des Heisenbergprogramms der DFG.
Laufende Habilitationsprojekte
- Do ut des. Aushandlungsprozesse, Herrschaftsressourcen und Akteurskonstellationen in den Thronstreitigkeiten von 1197/1198–1218 und 1256/57–1272 (Dr. Linda Dohmen)
Das Projekt untersucht die Königswahlen in den Thronstreitigkeiten von 1197/1198–1218 und 1256/57–1272 nicht primär als institutionelle oder rechtliche Akte, sondern als mehrstufige Aushandlungsprozesse zwischen Königskandidaten und ihren (potentiellen) Unterstützern. Es fragt danach, welche Interessen die Wählenden mit ihrer Entscheidung für einen bestimmten Kandidaten verbanden, welche Gegenleistungen sie für ihre Unterstützung erwarteten und welche sie tatsächlich erhielten. Die bislang meist als „Wahlversprechen“ behandelten Vereinbarungen werden dabei als Teil umfassenderer Prozesse politischer Bindung verstanden. Der Blick sowohl auf die eingesetzten und transferierten Ressourcen als auch auf Gefolgsleute, Verwandte und regionale Netzwerke eröffnet dabei eine neue Perspektive auf Königswahl als längerfristigen Prozess, in dem königliche Herrschaft ausgehandelt und praktisch hergestellt wurde.
- Women in the Medieval Travel Business (Dr. Corinna Peres)
The project examines women’s mobility, their participation in travel economies, and their involvement in informal learning processes through interactions with travelers in high and late medieval Mediterranean and European regions. It focuses on three interconnected dimensions: (1) women’s mobility, (2) everyday interactions between women and travelers in port cities, and (3) women’s work in lay and religious institutions that made travel possible, such as inns and hospitals. Situated at the intersection of mobility history, gender history, labor history, and the history of knowledge, the project seeks to reconstruct the everyday practices surrounding women’s involvement in travel infrastructures and mobility networks from a bottom-up perspective.
Laufende Dissertationsprojekte
- Armed retinues in the late and post-Roman West (5th to mid-8th centuries). Composition, socio-political functions and transformation of a key instrument of secular power (Marco Canton)
The project examines armed retinues in the late and post-Roman West from the 5th to the mid-8th century, focusing on their political and social significance and their role in the exercise of power. It provides a systematic comparison of retinues in regions such as Italy and the Frankish world, analysing terms such as antrustiones, bucellarii, and fideles to reconstruct their organisation, hierarchy, and forms of dependency. The project further investigates their military, political, and social functions and their role in mediating between local and central authorities. In doing so, it sheds light on the importance of personal bonds and armed followings in the transformation from the late Roman world to early medieval societies.
- Northern people heading south. Perceptions, identities, and integration of the Goths and Lombards in Italy in comparison (Norma Zoglio)
The project compares the Goths and Lombards in post-Roman Italy from the late 5th to the mid-8th century, examining how migration, identity formation, and integration shaped new political and social orders. Focusing on perceptions, identities, and processes of acculturation, it combines textual and archaeological evidence with digital methods such as GIS and network analysis. By comparing the two groups, the project identifies shared and divergent patterns of integration and contributes to a better understanding of post-Roman state formation and social transformation.
- Theophanu and her Influence as a Byzantine on the Ottonian Court (Qianying Guo)
This project examines Empress Theophanu’s political influence at the Ottonian court and the role of her Byzantine heritage in shaping Ottonian political culture under Otto II and Otto III. Using an interdisciplinary approach that combines textual, conceptual, and material analysis, it investigates how Byzantine traditions were integrated into Ottonian rule and how Theophanu navigated a male-dominated political environment. Particular attention is given to her political agency, the Ottonian understanding of Romanness, and her influence on Otto III’s rulership. The project thus contributes to the study of female rulership and the role of foreign princesses in medieval power structures.