In jeder Monarchie spiegeln die Wahl des Ehepartners durch den Herrscher sowie die Entscheidungen darüber, mit wem Verwandte verheiratet werden, das Selbstverständnis dieses Regimes wider. So zeigen beispielsweise isogame Heiratspraktiken, dass sich Herrscher in ihre Aristokratie zu integrieren suchen, exogame, dass ein Herrscher Wert darauf legt, Teil eines Netzwerks diplomatischer Beziehungen oder Bündnisse mit anderen Herrschern zu sein, während Endogamie darauf abzielt, die soziale Sonderstellung der Herrscherfamilie zu unterstreichen. Die Heiratsstrategien der römischen Kaiser müssen aus dieser Perspektive noch systematisch erforscht werden. Dieser Vortrag widmet sich der Brautwahl spätantiker Kaiser, von der Tetrarchie bis zu Phokas (602-610 u. Z.). Dabei geht es zum einen darum, aus dieser Wahl Strategien im obigen Sinne abzuleiten, um das Selbstverständnis des spätantiken Kaisertums näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite sollen Geschichten von spätantiken Kaisern, die angeblich aus Liebe heirateten, in ihre historischen Zusammenhänge eingeordnet werden.
Vortrag 21.05.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Julia Hillner Vortrag 21.05.2026, 18:15 Uhr, Prof. Dr. Julia Hillner: Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike
Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike
Hörsaal I, AVZ III, Römerstraße 164, Bonn
Konsulardiptychon des Iustinus (kurz vor 540)
- Kaiserliches Ehepaar zu Seiten Christi
© Bildnachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / SBM Archivaufnahme Public Domain Mark 1.0 (mit verändertem Ausschnitt)
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