Forschungsschwerpunkte
- Geschichte des Finanzkapitalismus
- Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit
- Bevölkerungsgeschichte/Historische Demographie
- Städtische Finanzen der Frühen Neuzeit
- Verkehrspolitik in der Frühindustrialisierung
- Wirtschafts-und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
- Technologischer Wandel und Innovationssysteme
- Geschichte der Staatenbildung
- Unternehmensgeschichte und Geschichte der Unternehmensverfassung (Corporate Governance)
- Geschichte von Einkommen, Produktivität und Lebensstandard in Deutschland und Großbritannien seit dem 19. Jahrhundert
Laufende Forschungsprojekte
DFG-Kollegforschungsgruppe Finanzsektorentwicklung & Ungleichheit
Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.
DFG-Projekt "Geldpolitik der Reichsbank (1876-1914) im Spannungsfeld von Staat und Markt".
(Projektbearbeiter: Hannah Stelberg und Felix Orth)
Die Geschichte des klassischen Goldstandards (1870er Jahre bis 1914) und das Verhalten von Zentralbanken innerhalb dieser Epoche wird in der internationalen wirtschaftshistorischen und wirtschaftswissenschaftlichen Literatur nach wie vor intensiv erforscht. Insbesondere zur Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Bank, aber auch zur Geschichte der Bank von Frankreich und der Bank von England wurden in den vergangenen Jahren relevante Arbeiten publiziert. Des Weiteren wurden mehrere wichtige Aufsätze zur Funktionsweise des (Welt-)Währungssystems und zur Anbindung peripherer Länder an das nordwesteuropäische Kerngebiet des Goldstandards vorgelegt. Mit Blick auf die lebhafte internationale Diskussion ist bemerkenswert, dass Deutschland zwar zu den Kernländern des klassischen Goldstandards gezählt wird, aber zu diesem Land bzw. zur Geschichte seiner Zentralbank, der Reichsbank, kaum aktuelle Forschung vorliegt. Diese Forschungslücke soll mit diesem Projekt teilweise geschlossen werden. Es sollen erstmals regelmäßig erstellte Protokolle von zwei Führungsgremien der Reichsbank gesichtet, mit Verfahren der digital history aufbereitet und u.a. gemäß den Prinzipien der narrative economics interpretiert werden. Unter anderem sollen vorliegende Narrative geprüft und gegebenenfalls ergänzt oder revidiert werden. Des Weiteren sollen quantitative Daten aus Archivbeständen erhoben werden, um die cliometrische Forschung zum Verhalten der Reichsbank in der Goldstandardmechanik auf eine solidere Datenbasis zu stellen und ihre zentralen Einsichten zu validieren. Das Projekt wird unseren Kenntnisstand zur Geschichte der Reichsbank wie auch zur Funktionsweise des Goldstandards signifikant verbessern. Es sollen Konkurrenz und Kooperation zwischen Reichsbank und Geschäftsbanken untersucht und dabei ein Schwerpunkt auf Aktion und Interaktion im Verlauf von Finanzkrisen gelegt werden. Des Weiteren sollen die Beziehungen zwischen Reichskanzler und der politisch abhängigen Reichsbank untersucht und dabei ein Schwerpunkt auf den
Einfluss außenpolitische Krisen sowie der Staatsfinanzierung auf die Geldpolitik gelegt werden.
Gerda Henkel Stiftung "Expansive Partizipation"
(Projektbearbeiter: Prisca Lohmann)
Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Patente und Innovationen in den Deutschen Staaten, 1843-1877
(Dr. Felix Selgert zusammen mit Alexander Donges, Mannheim)
Ziel des Projekts ist es, die regionale Innovationstätigkeit und technologische Spezialisierung in den deutschen Staaten für die Zeit vor der Harmonisierung des deutschen Patentrechts (1877) auf Basis von Patentdaten erstmalig empirisch zu untersuchen. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit regionale Unterschiede in der Patentaktivität auf Unterschiede im Patentrecht und in der Vergabepraxis zurückgeführt werden können. Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, auf Basis von Auslandspatenten, die von den jeweiligen Staaten an deutsche und nicht-deutsche Ausländer vergeben worden sind, Rückschlüsse über die Marktintegration im Zollverein zu ziehen. Ferner möchten wir die Bedeutung einzelner Erfinder von der Rolle der Unternehmen als Triebkräfte des technologischen Fortschritts in der Frühphase der Industrialisierung in den deutschen Staaten abgrenzen.
Die Grundlage für die genannten Forschungsziele bilden Daten zur Patentvergabe der einzelnen deutschen Staaten für die Zeit zwischen 1843 und 1877, die im Rahmen dieses Projekts erhoben werden.
DFG-Projekt: Unternehmensgeschichte und politische Ökonomie der betrieblichen Altersvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland, 1948 bis 1982
(Projektbearbeiter: Dorothee Mävers und Jonas Pieper)
Im Rahmen dieses Projekts sollen anhand von acht Unternehmensfallstudien und sechs Gesetzgebungsprozessen die wirtschafts- und unternehmenshistorische Dimension der betrieblichen Altersvorsorge für die Jahre 1948 bis 1982 untersucht werden. Wir verwenden für dieses Forschungsthema erstmals einen komparativen Fallstudienansatz und wir untersuchen erstmals neben Großunternehmen auch mittelständische Firmen. Hinsichtlich der politischen Ökonomie von Gesetzgebungsprozessen untersuchen wir sozial- und – erstmals – steuerpolitische Gesetze bezüglich ihrer Relevanz für Betriebsrenten. Außerdem verwenden wir sowohl für die Analyse von Gesetzgebungsprozesse als auch von innerbetrieblichen Verhandlungen über die Betriebsrente einen erweiterten Vetospieleransatz, so dass durch das Projekt etablierte Methoden der Politikwissenschaft in die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte transferiert werden.