Forschungsprojekte

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Friedrich Kießling / Prof. Dr. Christoph Safferling, Universität Erlangen-Nürnberg (wiss. Mitarbeiterin u.a.: Yvonne Blomann)

Als Erste in der Bundesjustiz hat die Bundesanwaltschaft eine Forschungsstudie zu ihrer Vergangenheit in den Anfangsjahrzehnten der Bundesrepublik in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde die interdisziplinäre Studie von dem Historiker Professor Dr. Friedrich Kießling vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Bonn und den Rechtswissenschaftlern um Professor Dr. Christoph Safferling vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Gemeinsam haben die Wissenschaftler die Anfänge der Bundesanwaltschaft nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der Amtszeit von Generalbundesanwalt Ludwig Martin im Jahr 1974 erforscht. Unter anderem wurde untersucht, wie die Bundesanwaltschaft mit den aus dem Dritten Reich resultierenden persönlichen und politischen Belastungen umgegangen ist. Es wurde gezeigt, welche und wie viele nationalsozialistisch belastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Anfangszeit der Behörde an welchen Stellen tätig waren und welchen Einfluss dies auf die Arbeit der Bundesanwaltschaft hatte. Dazu gewährte die Bundesanwaltschaft den Forschern neben den Sachakten umfassenden Einblick in die Personalakten der bei der Behörde bis Mitte der 1970er Jahre beschäftigten Mitarbeiter, darunter auch die von Wolfgang Fränkel, der 1962 nur drei Monate nach seiner Ernennung zum Generalbundesanwalt wegen seiner Tätigkeit bei der Oberreichsanwaltschaft und seiner damit verbundenen Beteiligung an Todesurteilen in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht wurde darüber hinaus die Rolle der Bundesanwaltschaft in wichtigen Staatsschutzverfahren, von den frühen Verfahren gegen Kommunisten sowie den bundesdeutschen Rechtsradikalismus über die Spiegel-Affäre bis zu den ersten Verfahren gegen die RAF. Die Ergebnisse wurden Ende 2021 im dtv Verlag unter dem Titel "Staatsschutz im Kalten Krieg" in Buchform veröffentlicht. (Publikation beim Verlag)

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