Forschungsprojekte & Qualifikationsschriften
der Abteilung für Alte Geschichte
Laufende Drittmittelprojekte
„Historisch-archäologisches Lexikon“
DER NEUE PAULY, Supplementband 14,
hg. von Konrad Vössing u.a.
Behandelt wird die Zeit vom ersten Auftauchen von Germanen (Bastarnen, Kimbern, Teutonen, Ambronen) am römischen ‚Horizont’ im 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n.Chr., in dem zum einen die politische Geschichte vieler germanischen gentes (z.B. von Alamannen, Burgunden, Vandalen, Ostgoten), die sich auf römischem Reichsgebiet installiert hatten, zuende ging und zum anderen den sog. Franken eine dauerhafte, teilweise durchaus römisch geprägte Reichsbildung gelang, die das Imperium Romanum im Westen ablöste.
Das Projekt befasst sich mit antiken Alleinherrschern, die als Autoren in Erscheinung getreten sind. Der Untersuchungszeitraum reicht von der Archaik bis in die Spätantike und umfasst somit die gesamte Antike von ca. 600 v.Chr. bis 600 n.Chr. Ausgangspunkt des Projekts ist der Umstand, dass in allen Formen von Monarchie in der Antike - archaischer und spätklassischer Tyrannis, hellenistischer Monarchie, römischem und spätantikem Kaisertum - die Stellung des Herrschers nicht unhinterfragbar war und zum Machterhalt ein erheblicher kommunikativer Aufwand notwendig war. Die literarische Produktion eines Herrschers wird als eine soziale Praxis verstanden, die eine bewusste Entscheidung zu einem spezifischen monarchischen self-fashioning bedeutet. Um die Funktionen herrscherlicher Autorschaft analysieren zu können, werden insbesondere die bespielten literarischen Gattungen und Themenfelder einerseits sowie die intendierten Adressatenkreise und Öffentlichkeiten und untersucht werden.
Das Projekt wird seit Februar 2021 durch die DFG im Rahmen einer Heisenbergförderung finanziert.
Projektleitung: PD Dr. Matthias Haake
Die meisten Menschen in der Geschichte bleiben namenlos. Sie erscheinen in Quellen nur als Zahlen, Merkmale oder anonyme Figuren. Das Forschungsprojekt (am Exzellenzcluster BCDSS und am IGW der Universität Bonn) untersucht, wie sich solche namenlosen Personen analysieren und in der Geschichtsschreibung sichtbar machen lassen.
„Connecting Late Antiquities“ ist die erste Phase eines gemeinsamen Projekts zur Erstellung offener, digitaler prosopographischer Ressourcen für die römischen und poströmischen Gebiete zwischen dem 3. und dem 7. Jahrhundert n. Chr. Unser übergeordnetes Ziel ist es, bestehende Ressourcen zu digitalisieren, zu vereinen und miteinander zu verknüpfen, um ihre Zugänglichkeit zu verbessern und ihren Nutzen sowie ihre Reichweite zu erhöhen. Dieses Vorhaben wird den Zugang zu Informationen über Menschen der Spätantike für alle Forschenden dieser Epoche erheblich erleichtern und die problemlose Integration prosopographischen Materials mit Online-Ressourcen aus den Bereichen Geografie, Text, Epigraphik und Papyrologie ermöglichen.
Verbundprojekte
Winfried Schmitz und Konrad Vössing sind 'Principal Investigators' des Bonner Exzellenzclusters 'Beyond Slavery and Freedom - Asymmetrische Abhängigkeiten in vormodernen Gesellschaften' (2019-2032).
Abgeschlossene Projekte (ab 2015)
Matthias Haake
DFG-gefördertes Projekt zur „Katalogisierung und Digitalisierung der Bonner Papyrussammlung zwecks Langzeitsicherung und Bereitstellung
Die Ergebnisse wurden publiziert in:
Tino Shahin, Fragmente der Historiker: Nikolaos von Damaskus, Stuttgart, Hiersemann Verlag (Bibliothek der Griechischen Literatur), 2018.
Die Ergebnisse wurden im September 2010 von Prof. Dr. Winfried Schmitz beim Historikertag in Berlin vorgestellt.
Prof. Dr. Winfried Schmitz leitete dieses Projekt seit 2010 zusammen mit Herrn Prof. Dr. Heinz Heinen.
Prof. Dr. Konrad Vössing
Dem Buchprojekt liegt die Grundfrage nach dem Verhältnis von Römern und Vandalen zugrunde; damit zusammen hängt die ‚Reichsbildung’ der Vandalen auf römischem Boden, also das regnum Vandalorum im Kontext der Geschichte des spätrömischen Reiches, des afrikanischen Provinzialgebietes und der Völkerwanderungszeit.
S. auch: Victor von Vita: Kirchenkampf und Verfolgung unter den Vandalen in Africa; herausgegeben, eingeleitet, kommentiert und übersetzt von Konrad Vössing (Texte zur Forschung), Darmstadt 2011.
A Survey of His Reception from 430 to 2000, vol. I - IV
Editor-in-chief: Karla Pollmann, St Andrews
(http://www.st-andrews.ac.uk/classics/after-augustine/),
vol. I: 430-800 AD,
editor: Willemien Otten, co-editors: Konrad Vössing et al.
- S. auch K. Vössing: Hippo Regius, die Vandalen und das Schicksal des toten Augustinus: Datierungen und Hypothesen; in: Hermes 140, 2012.
Akten des internationalen altertumswissenschaftlichen Kolloquiums im Rahmen des DressID-Projektes der Europäischen Union (http://www.dressid.eu/), Bonn, 30/31.10. 2009;
Hg. Sabine Schrenk und Konrad Vössing (erschienen 2012).
Im Forschungsprojekt werden die in der antiken Literatur und auf Inschriften überlieferten Fragmente der Gesetze Drakons und Solons in einer neuen Systematik und in kritischer Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Literatur neu präsentiert. Vorgelegt werden die Gesetze in Originalsprache, deutscher Übersetzung und mit Kommentaren und Literaturhinweisen versehen. Auswertende Kapitel ordnen die Fragmente in den politischen, wirtschafts-, sozial- und rechtsgeschichtlichen Zusammenhang der archaischen Zeit ein.
Link zu Projektseite der DFG...
Projektmitarbeiter der Abteilung für Alte Geschichte:
- Prof. Dr. Winfried Schmitz
- Dr. Tino Shahin
- Anja Pfeiffer M.A.
- Yvonne Krumholz M.A.
- Yann Wintersdorf B.A.
Als „Vater der Geschichtsschreibung“ (Cicero) bezeichnet, ist Herodot (5. Jh. v. Chr.) ein klassischer Autor von herausragender Bedeutung für gleich mehrere altertumswissenschaftliche Fächer. Mit Fokus auf das zweite, Ägypten gewidmete Buch seiner Historien sollen fächerübergreifend in einem neuen altertumswissenschaftlichen Lehrverbund aus Ägyptologie, Altphilologie, Alter Geschichte, Klassischer Archäologie und alttestamentlicher Wissenschaft dieser Autor mit Studierenden erschlossen werden und Studierende im Umgang mit antiken Quellen geschult werden. Dafür soll in konzeptioneller und praktischer Zusammenarbeit mit dem Bonn Center for Digital Humanities (BCDH) eine fächerübergreifende und nachhaltige digitale Lehr- und Lernplattform entwickelt werden. Für die Lehre sollen mit den Studierenden die kulturhistorisch relevanten Dinge und Personen, Ereignisse und Kulturphänomene, Räume und Zeiten in Gestalt einer interaktiven Lernplattform und auf Basis einer digitalen Karte erschlossen werden. Parallel zur Lehr- und Lernplattform sollen von den Studierenden kleinere Ausstellungen erarbeitet werden.
Hier geht es zur Webseite des Projekts.
Laufzeit: 2021–2024
Projektteilnehmer*innen
Projektleitung: Prof. Dr. Ludwig Morenz
Projektkoordination: Annika Neißen (née Felten) M.A.
Projekt-Mitarbeiter (Alte Geschichte): Prof. Dr. Winfried Schmitz
Projekt-Hilfskraft (Alte Geschichte): Nicolas Cavagnet
Theodosius Schoepffers Gerontologia seu Tractatus de jure senum (1705) – Der vergessene erste Traktat zur ‘Gerontologie’ im Spannungsfeld der Altersbilder von der Antike über die frühe Neuzeit bis zur Gegenwart.
Prof. Dr. Winfried Schmitz leitete das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Marc Laureys / Mittel- und Neulatein und Prof. Dr. Mathias Schmoeckel / Deutsche Rechtsgeschichte.
„Theodosius Schoepffers Gerontologia seu Tractatus de jure senum (1705) – Der vergessene erste Traktat zur ‘Gerontologie’ im Spannungsfeld der Altersbilder von der Antike über die frühe Neuzeit bis zur Gegenwart“ (Edition, Übersetzung und Kommentar). Projekt im Rahmen des NRW-Förderprogramms „Geisteswissenschaften gestalten Zukunftsperspektiven“. Abschlusspublikation: Theodosius Schoepffers Gerontologia seu Tractatus de jure senum: Kulturwissenschaftliche Studien zu einem vergessenen Traktat über das Recht alter Menschen, hg. von Arnold Becker / Marc Laureys / Karl August Neuhausen / Georg Rudinger (Super alta perennis. Studien zur Wirkung der Klassischen Antike, Bd. 5), Göttingen 2010.
Menschliche Kleidung hat weit mehr als nur praktische Funktionen: wir alle kommunizieren mittels dieser sog. Außenhaut mehr oder weniger bewusst unsere psychische und soziale Identität. Gerade für die älteren Epochen sind aber Rekonstruktion und Interpretation dieser Zeichensprache nicht leicht. Die hier vorliegende Präsentation spätantiker Kleidung soll dabei ein Hilfsmittel sein. Sie richtet sich neben der Fachwelt auch an ein breiteres Publikum. Wir bieten (interaktive) Bilder und Kurztexte sowie weitere Informationen zu Kleidungstypen der Spätantike, die man in zeitgenössischen Bildern und Texten bestimmen kann, und zwar aus den Kategorien: Mäntel und Umhänge, Tuniken, Hosen, Kopfbedeckungen und Accessoires, Fußbekleidungen sowie Verzierungen.
Projektleitung: Sabine Schrenk und Konrad Vössing
Webseite des Projekts: www.bildlexikon-kleidung.uni-bonn.de
Altertumswissenschaftliches Graduiertenkolleg der Universitäten Straßburg und Bonn mit der Unterstützung der Deutsch-Französischen Hochschule
Thema
Im Rahmen des TGK MIAG werden erstmals die „Masse“ als historisches Phänomen mit dem Konzept der Integration in systematische Beziehung gesetzt. Der Begriff der „Masse“ soll dabei eine zahlenmäßig große Menschengruppe meinen, die sich nur vorübergehend und weitgehend ungeordnet zusammenfindet. Der Begriff der „Integration“ verweist dagegen auf (un-)bewußte Ordnungsprozesse, die für die Ausbildung dauerhafter Gesellschaftsstrukturen notwendig sind (z. B. durch räumliche und zeitliche Kategorien, durch ideologische Orientierungen, durch eine innere Hierarchisierung). Bereits in der Antike wurden die thematischen Pole unseres Graduiertenkollegs als Phänomene erkannt und zu Repräsentationszwecken genutzt, vgl. etwa die emblematischen Stilisierungen von „Philosophen/ Gebildeten in der Masse“, „Christen unter Heiden“, „Eliten in Versammlungen“ usw., aber auch dingliche Formen elitären Selbstdarstellung, deren Referenzrahmen immer auf die eine oder andere Art auf die größere Zahl der Basisgruppe verweist. Das Graduiertenkolleg will diese Phänomene in intrakultureller Perspektive und auf der Basis einer breiten Quellenbasis miteinander in Beziehung setzen.
Hauptziele
- Gemeinsame Arbeit an einem innovativen Forschungsprojekt, das mannigfaltige Perspektiven zur Doktorandenförderung bietet
- Zusammenbringen der französisch- und deutschsprachigen Forschung
- Zusammenfassung verschiedener bereits bestehender Kooperationen auf der Ebene von Doktoranden und Forschern
- Schaffung eines Forums für den interdisziplinären Austausch im Bereich der Altertumswissenschaften, die in allen drei Partneruniversitäten außerordentlich reich und verschiedenartig vertreten sind
Qualifikationsschriften
Laufend:
- Harland, James: Subalternity and Barbarian Rulership, c. 300–800AD
- Weigel, Christian: Griechische Migrationen zwischen 550-250 v. Chr. (Arbeitstitel)
Abgeschlossen (ab 2015):
- Lapyrionok, Roman: Die Ackergesetzgebung in der römischen Republik der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts v.Chr.
- Timmer, Jan: Überlegungen zur Funktion von Vertrauen im politischen System der römischen Republik
Laufend:
- Gregor Kirilov: Eine diachrone Studie zu den kirchlichen Netzwerken Antiochiens in der Spätantike
- Nils Fischer: Ägäische Inselwelten. Untersuchungen zu den inselübergreifenden Interaktionen und zur Konnektivität lokaler Eliten im Ägäisraum im vierten und dritten Jahrhundert v.Chr.
- Michael Herchenbach: summum munus homini datum… – natur- und kulturhistorische Darstellungen von Bäumen im römischen Italien
- Stephanie Kirsch: Gewalt als Teil des Sozialisationsprozesses in antiken Gesellschaften - Athen und Rom im Vergleich
- Yvonne Krumholz: Konstruktionen von Männlichkeit bei Xenophon (Arbeitstitel)
- Markus Leiber: Konfliktlösung im klassischen Athen (403/02 bis 322 v.Chr.)
- Sven Martini: Der Principat des Tiberius im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit der Germanicus-Familie
- Tanja Seegler: Die Entwicklung der griechischen Asylie unter Berücksichtigung sakraler Stätten
- Sebastian Wirz: Geschichte der „Parrhesia" im fünften und vierten Jahrhundert vor Christus: Ihr Wesen, ihre Bedeutungen
Abgeschlossen (ab 2015):
- Imogen Herrad: The Politics of Disobedience in Classical Sparta. Discipline and Officer Non-compliance in the Spartan System
- Christian Weigel: Hauswirtschaft und Familie im antiken Roman
- David Hamacher: deus praesens (?) – Untersuchungen zur Sakralität des lebenden princeps im Rahmen kaiserlicher Herrschaftslegitimation
- Janico Albrecht: Superstitiones und religiones. Die Konstruktion religiöser Devianz und Norm im Römischen Reich (2. Jh. v.Chr. – 2. Jh. n.Chr.)
- Franziska Reich: L'objet comme mode de communication et média dans la littérature épistolaire de l'Antiquité tardive et au haut Moyen-Âge (Arbeitstitel)
- Tino Shahin: Fragmente eines Lebenswerks. Untersuchungen zur Universalgeschichte des Nikolaos von Damaskus.
- Isabelle Künzer: Kulturen der Konkurrenz. Untersuchungen zur Konstruktion von Konkurrenz in senatorischen Kreisen an der Wende vom ersten zum zweiten Jahrhundert n. Chr. (Antiquitas I 68), Bonn 2016.
- Lennart Gilhaus: Statue und Status. Statuen als Repräsentationsmedien der städtischen Eliten im kaiserzeitlichen Nordafrika (Antiquitas I Bd. 66), Bonn 2015.