Reading Early Medicine

Den heutigen Hinweis „[z]u Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke“ sucht man in medizinischen Ratgebern der Frühen Neuzeit vergeblich. Antworten auf Fragen zu Krankheit, Heilung und Körperwissen fanden die Zeitgenoss*innen dennoch zwischen den Seiten medizinischer Hand- und Arzneibücher, wobei sich das dort vermittelte medizinische Wissen der Heilkundigen oftmals nicht so stark von dem ihrer Patient*innen unterschied.
Einen umfassenden Zugang zu dieser frühneuzeitlichen Wissenslandschaft bietet die englischsprachige Datenbank Reading Early Medicine (REM). Sie erschließt mehr als 2.500 überwiegend englischsprachige Drucke zu Gesundheit und Heilung, die zwischen 1480 und 1700 erschienen sind. Grundlage der Sammlung bildet eine umfangreiche Bibliographie, die auf Recherchen im English Short Title Catalogue (ESTC) basiert und durch zusätzliche Erschließungsarbeit des Projektteams erweitert wurde. Dabei versteht REM „Gesundheit und Heilung“ bewusst weit: Erfasst werden unter anderem medizinische Lehrbücher, Arznei- und Kräuterbücher, chirurgische Handbücher, Hebammenliteratur, Gesundheitsratgeber sowie Haus- und Rezeptsammlungen. Das Spektrum reicht von gelehrten Abhandlungen zur Viersäftelehre bis hin zu alltagsnahen Anleitungen für die medizinische Versorgung im Haushalt. Obwohl der Schwerpunkt auf britischen Drucken liegt, wurden ebenso zahlreiche Werke in englischer Übersetzung aufgenommen.
Die Datenbank selbst stellt keine Volltexte bereit, verweist jedoch auf digitale Faksimiles der erfassten Werke, sofern diese verfügbar sind. Über Schlagwörter lassen sich die Einträge nach Themen, Genres, Autor*innen, Berufen, Druckorten oder weiteren bibliographischen Merkmalen durchsuchen. Ergänzt wird das Angebot durch Essays sowie Lehrmaterialien. Damit ist REM weit mehr als eine bibliographische Datenbank. Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Verbreitung medizinischen Wissens und macht sichtbar, wie Gesundheit, Krankheit und Heilung in der Frühen Neuzeit gedacht, praktiziert und vermittelt wurden.

Autor: F. Kurth

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© Johns Hopkins Sheridan Libraries and University Museums
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