Lokale Kronieken uit de Nederlanden 1500-1850
Bevor es Blogs gab, führten Menschen Chroniken. Ihre „Posts“ waren handschriftlich festgehaltene Beobachtungen aus Alltag oder der unmittelbaren Umgebung – von gewöhnlichen Begebenheiten über Lebensmittelknappheit und Teuerungen, Naturereignisse, Feste, Streitigkeiten, Unfälle und Verbrechen bis hin zu politischen Ereignissen und deren Folgen. Alles, was die „Blogger*innen der Frühen Neuzeit“ interessierte, wurde niedergeschrieben, ohne Internet, Likes oder Kommentare, aber mit dem Wunsch, sie für die Mit- oder Nachwelt zu bewahren.
Wer in das Leben vergangener Jahrhunderte in den Niederlanden eintauchen möchte, kann dies nun mithilfe der Datenbank „Lokale Kronieken uit de Nederlanden 1500-1850“ tun. Entstanden im Rahmen eines Projekts der Universität Leiden und der Freien Universität Amsterdam umfasst sie 207 Chroniken, von Privatpersonen der Nord- und Südniederlande. Die Sammlung deckt einen Zeitraum von 350 Jahren ab und ist geografisch breit aufgestellt, mit einem Schwerpunkt auf urbanen Gegenden. Bei der Auswahl der Quellen wurde darauf geachtet, überwiegend Chroniken zu berücksichtigen, die nicht allein die Vergangenheit, sondern vorzugsweise die eigene Gegenwart der Schreiber*innen dokumentierten.
Die Manuskripte wurden in 39 Einrichtungen in den Niederlanden und Belgien fotografiert, anschließend transkribiert und teilweise mithilfe automatischer Handschrifterkennung sowie von Freiwilligen annotiert. Die Datenbank enthält vollständige Transkripte, häufig kombiniert mit farbigen Scans der Originaldokumente und praktische Suchfunktionen, mit denen sich die Quellen nach Zeiträumen, Orten oder Personen filtern lassen. Allerdings sind einige der automatisierten Transkriptionen noch fehlerhaft, können aber manuell korrigiert werden. Eine Anleitung unterstützt beim Umgang mit der Datenbank. Dazu gibt eine interaktive Karte einen Überblick über die geografische Verteilung der Chroniken.
Autor: F. Kurth