Digital Transgender Archive
Queerness ist eine neumodische Erscheinung? Ein Blick in die Archive beweist: Identitäten, Praktiken und Erfahrungen außerhalb der cis-heteronormativen Vorstellung gibt es schon lange.
Bei dem obigen Bild handelt es sich mitnichten um ein ausgefeiltes Theaterkostüm, sondern um eine Darstellung von niemand geringerem als Charlotte d'Éon de Beaumont bzw. Chevalière d'Éon, eine der bekanntesten Persönlichkeiten queerer Geschichte des 18. Jahrhunderts. „This very extraordinary character has for some time made a great noise in the world […]”. Als französische Diplomatin, Soldatin, Schriftstellerin und Degenfechterin lebte d'Éon weite Teile ihres Lebens als Frau und erregte immer wieder insbesondere durch die Frage nach ihrem Geschlecht Aufmerksamkeit.
Ihre und viele weitere Geschichten lassen sich anhand des Digital Transgender Archive entdecken. Das Projekt führt Archivmaterial aus der Zeit vor dem Jahr 2000 in einer Plattform zusammen, das für die globale Transgender-Geschichte von Bedeutung ist. Die Quellen handeln von Transgeschlechtlichkeit und Geschlechtern jenseits binärer Geschlechtersysteme und reichen über ein breites Spektrum von Geschichten, die nicht in die cis-heteronormative Geschlechtervorstellung passen.
Als Ausgangspunkt für Studien zu queerer Geschichte bietet die Plattform umfassende Suchfunktionen, die Materialien sind ausführlich verschlagwortet und lassen sich anhand von Kriterien wie Datum, Ort, Sprache, Quellengattung und bereitstellender Institution filtern. Anhand der aufgeführten Metadaten und Verweise auf die bereitstellenden Archive, Bibliotheken und Institutionen können Interessierte tiefergehend zu den Quellen recherchieren. Wer sich also mit der Geschichte von Crossdressing, Intergeschlechtlichkeit, Drag, Transitionen und/oder geschlechtsangleichende Operationen und vielem mehr auseinandersetzen möchte, wird hier fündig.
Autorin: M. Klinkenberg