Herrschaft und Verwaltung mindermächtiger Territorien im 18. Jahrhundert am Beispiel der Grafschaft und des Fürstentums Solms-Hohensolms-Lich

Karsten Jürgen Welcher  M.A.

Neben den großen Territorien des Heiligen Römischen Reichs wie Österreich und Preußen stand in der Frühen Neuzeit eine ungleich größere Zahl kleinerer, aber ebenfalls reichsunmittelbarer Herrschaften. Diese sind in jüngster Zeit vermehrt in den Blick der einschlägigen Forschung genommen worden. Zu den Regionen mit einer hohen Dichte solcher Klein- und Kleinstterritorien lässt sich die im heutigen Hessen gelegene Wetterau rechnen. Hier entstand 1718 durch Erbfall die aus nur drei Ämtern bestehende Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich (Fürstung 1792). Die geringe Größe der Grafschaft bedingte ihre begrenzten Machtmittel wie militärische und finanzielle Ausstattung. 

Währenddessen hält sich in der herrschaftsgeschichtlichen Forschung hartnäckig die Ansicht der Frühen Neuzeit als Epoche von „Bürokratisierung, Zentralisierung, Sozialdisziplinierung, Konfessionalisierung, Militarisierung“ (Michael Hochedlinger). Dass solche Tendenzen allerdings mehrheitlich ein Reservat mächtigerer Territorien gewesen sein dürften, wird mittlerweile von zahlreichen Studien belegt. Damit stellt sich die Frage, nach welchen alternativen Gesetzmäßigkeiten Herrschaft in mindermächtigen Gebieten wie Solms-Hohensolms-Lich funktionierte. Die Beschäftigung mit dieser Grafschaft lässt sich für das 18. Jahrhundert als Desiderat bezeichnen, fehlen doch bisher entsprechende Studien mit einem Fokus auf die Herrschaft und Verwaltung dieses Territoriums. 

Im Rahmen des vorliegenden Dissertationsprojekts sollen daher folgende Forschungsfragen vordringlich geklärt werden. 

  1. Wie organisierte ein kleines Territorium seine Verwaltung mit den beschränkten verfügbaren Mitteln? Welche Gremien existierten und wie stark war der Anteil der regierenden Gräfinnen und Grafen an den laufenden Geschäften? Gab es Ansätze zur Verbesserung der Verwaltungspraxis? 
  2. Welche Strategien der gräflichen Regierung lassen sich in Konflikt und Kooperation mit der Untertanenschaft der Grafschaft feststellen? Welche Rolle spielten die lokalen und regionalen Eliten? 
  3. Wie agierte die Solms-Hohensolms-Licher Regierung in der Region zur Absicherung der eigenen Herrschaft? Auf welche Art wurde Konflikten und Bedrohungen durch mächtigere Akteure, wie dem nahe gelegenen Hessen-Darmstadt, begegnet? Welche Rolle spielten größere regionale Verbände wie der Wetterauer Grafenverein und der Oberrheinische Reichskreis? 
  4. Daneben soll auch die Rolle und das Einwirken des Heiligen Römischen Reichs als großer territorialer, herrschaftlicher und räumlicher Klammer zur Sprache kommen. Insbesondere bieten sich dazu Prozesse der Grafschaft vor den höchsten Reichsgerichten an, aber auch Reichstagsakten und Reichskreisabschiede.   

Essenzielle Quellengrundlage der Studie bildet das ins Hessische Staatsarchiv Darmstadt überführte Hausarchiv der Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich. Dieses wird im Rahmen eines DFG-Projekts seit 2025 u.a. vom Promovenden verzeichnet. Weiter sollen Bestände aus den Hessischen Staatsarchiven Darmstadt, Wiesbaden und Marburg ausgewertet werden. Um auch die Perspektive der keineswegs passiven Solms-Hohensolms-Licher Untertanen nicht zu vernachlässigen, werden möglichst auch Akten aus Kommunalarchiven behandelt. Auch sollen die Quellen der Reichsebene im Österreichischen Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien beachtet werden. 

 

Kontakt: K.Welcher[at]t-online.de

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider 

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