Bess of Hardwick’s Letters
“Sir, although I have nothing important to trouble you with, I will not let any known messenger pass without my letters …” – Mögen die mitunter mitteilungsfreudigen Briefe Elizabeth of Hardwick, Gräfin von Shrewsbury (ca. 1527–1608), für ihre Empfänger*innen manchmal anstrengend gewesen sein, so erweisen sie sich für Historiker*innen als ein echter Glücksfall. Ihre nahezu vollständig erhaltene Korrespondenz über rund 60 Jahre gewährt unmittelbare Einblicke in das Leben, Denken und Wirken einer der einflussreichsten noblewomen des elisabethanischen Englands. Der Nachwelt dürfte Bess – wie sie zeitgenössisch genannt wurde – vor allem durch ihre Rolle als langjährige Aufseherin der gefangenen Maria Stuart und als Erzieherin ihrer Enkelin Arbella Stuart, die zeitweise als mögliche Thronfolgerin Elisabeths I. galt, bekannt sein.
Fast 250 Schreiben wurden von der University of Glasgow und der University of Sheffield aufgearbeitet und in der frei zugänglichen Datenbank Bess of Hardwick’s Letters online verfügbar gemacht. Die Briefe, beginnend in den 1550er Jahren bis 1608, bieten einen eindrücklichen Einblick in Bess’ Leben, ihr weit gespanntes Netzwerk von Bediensteten, Familie, Freunden, Staatsbeamten und Königinnen sowie ihre vielfältigen Aktivitäten. Sie zeigen, wie sie den Alltag und Familienangelegenheiten regelte, Beziehungen ordnete, politische und rechtliche Angelegenheiten verfolgte, als Patronin und Vermittlerin agierte und dabei auch Neuigkeiten und Hofklatsch weitergab.
Die Datenbank enthält vollständige Transkripte mit Kopfregesten, Farbbilder vieler Originaldokumente und praktische Suchfunktionen, mit denen sich die Briefe nach Datum, Orten, Personen oder Ereignissen filtern lassen. Zusätzlich liefern Kommentare und Hinweise spannende Einblicke in Bess’ Leben und erklären die physischen Merkmale und sprachlichen Eigenheiten frühneuzeitlicher Briefe und geben hilfreiche Tipps zum Lesen vormoderner Handschriften.
Autor: F. Kurth