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Dr. Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

Das Reformpapsttum auf die Probe gestellt: Der Pontifikat Paschalis' II. (1100-1118)(Übung, Nr. 504002364)

Termin: mittwochs, 12 bis 14 Uhr

Ort: Raum III (Kleiner Übungsraum), Konviktstraße 11

Beginn: 04.11.2020

 

April 1111: Papst Paschalis II., der im Februar von Heinrich V. gefangengenommen worden war, gewährte dem König – der einen Tag später zum Kaiser gekrönt wurde – das Recht zur Investitur der Bischöfe. März 1112: Paschalis II. musste unter dem Druck der radikalen Reformer auf einer römischen Synode das Investiturprivileg zurücknehmen, das als ‚Schandurkunde‘ (Pravileg) verdammt wurde. Diese ‚dramatischen Momente‘ prägten lange die moderne Darstellung der Figur Paschalis II. und tun es teilweise noch heute. Allerdings müssen diese Ereignisse vor dem Hintergrund eines langen Pontifikats verstanden werden, während dessen Paschalis viele langwierige Herausforderungen für das Reformpapsttum bewältigen musste: die Beilegung des Konflikts mit den salischen Herrschern, die angestrebte ‚Normalisierung‘ der angespannten Beziehungen zu den anderen Reichen und Kirchen (Frankreich, England, dem Heiligen Land und den iberischen Königreiche), sowie die Konsolidierung seiner Position in Rom nach dem wibertinischen Schisma. 

In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die Forschungsliteratur vorgestellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein kurzes Referat über den Kontext des Pontifikats zu halten. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur oder das Verfassen eines Protokolls in Form eines Essays und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.

 

Literatur:

Uta-Renate Blumenthal, The Early Councils of Pope Paschal II, 1100–1110 (Studies and Texts, 43), Toronto 1978; Uta-Renate Blumental, Papal Reform and Canon Law in the 11th and 12th Centuries (Variorum Reprints), Aldershot u. a. 1998; Johannes Laudage, Rom und das Papsttum im frühen 12. Jahrhundert, in: Klaus Herbers (Hrsg.), Europa an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Beiträge zu Ehren von Werner Goez, Stuttgart 2001, S. 23–53; Gerhard Lubich (Hrsg.), Heinrich V. in seiner Zeit. Herrschen in einem europäischen Reich des Hochmittelalters (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters – Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, 34), Wien/Köln/Weimar 2013; Carlo Servatius, Paschalis II. (1099–1118). Studien zu seiner Person und seiner Politik (Päpste und Papsttum, 14), Stuttgart 1979.

La cité divisée / Die geteilte Stadt. Spaltungen und Vereinigungen, Erinnern und Vrgessen während der Entstehungsphase und frühen Entwicklung der italienischen Stadtkommunen (11.-12. Jahrhundert) (Übung, Nr. 504002365)

Termin: donnerstags, 14 bis 16 Uhr

Ort: Bibliotheksraum Mittelalter , Konviktstraße 11

Beginn: 05.11.2020

 

Die lange Inkubationszeit der politischen Autonomie der Städte in Nord- und Mittelitalien wurde von stetigen Spaltungen und Konflikten charakterisiert. Das Wachstum und die Entwicklung der Städte wurden von Ausdifferenzierungsprozessen begleitet, die zu konkurrierenden Interessenvertretungen von Familien und breiteren horizontalen und vertikalen sozialen Gruppierungen in der Stadtbevölkerung führten. Nur durch wiederholte Friedens- und Schwureinigungen wurden allmählich und versuchsweise Institutionen geschaffen, um das gemeinsame Leben der Stadtbevölkerung zu regieren. Das schloss auch die Verarbeitung der Erinnerungen an vorherige interne Konflikte und teilweise sogar deren aktives Vergessen ein. Das Thema wird vor allem anhand der Fallbeispiele Pisa, Mailand, Genua und Florenz’ vorgestellt.       

In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die Forschungsliteratur vorgestellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein kurzes Referat über die Entstehung der italienischen Stadtkommunen und die damalige Geschichtsschreibung zu halten. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur oder das Verfassen eines Protokolls in Form eines Essays und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.

 

Literatur:

Jörg W. Busch, Die Mailänder Geschichtsschreibung zwischen Arnulf und Galvaneus Flamma. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit im Umfeld einer italienischen Stadtkommune vom späten 11. bis zum frühen 14. Jahrhundert (Münstersche Mittelalter-Schriften, 72), München 1997; Christoph Dartmann, Politische Interaktion in der italienischen Stadtkommune (11.–14. Jahrhundert), Ostfildern 2012 (Mittelalter-Forschungen, Bd. 36), S. 1–294; Hagen Keller, Die Erforschung der italienischen Stadtkommunen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, in: Frühmittelalterliche Studien 48 (2015), S. 1–38; Frank Schweppenstette, Die Politik der Erinnerung. Studien zur Stadtgeschichtsschreibung Genuas im 12. Jahrhundert (Gesellschaft, Kultur und Schrift. Mediävistische Beiträge, 12), Frankfurt am Main u. a. 2003; Marc von der Höh, Erinnerungskultur und frühe Kommune. Formen und Funktionen des Umgangs mit der Vergangenheit im hochmittelalterlichen Pisa (1050-1150) (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit, 3), Berlin 2006; Chris Wickham, Sleepwalking into a new World. The Emergence of Italian City Communes in the Twelfth Century, Princeton 2015. 

Inklusionsorientierte Fragestellungen im Fach Geschichte (Plenum, Nr. 504002322)

Gruppe A (1. Teil des Kurses und Klausur):

Termin: freitags, 10 bis 12 Uhr

Ort: Bibliotheksraum Neuzeit, Konviktstraße 11

Beginn: 06.11.2020


Gruppe B (2. Teil des Kurses):

Termin: freitags, 12 bis 14 Uhr

 

Die Veranstaltung behandelt und problematisiert das inklusive Potenzial des Lernens und Lehrens von Geschichte, um ein neues Professionalitätsverständnis der Lehrkräfte einzuleiten (Punkt 14 der Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung). Im ersten Teil des Kurses werden die Prinzipien und Ziele der schulischen Inklusion kurz erläutert und historisch kontextualisiert sowie die aktuelle Debatte in Deutschland vorgestellt. Außerdem wird auf einige allgemeine, im Geschichtsunterricht einsetzbare didaktische Strategien bzw. Methoden hingewiesen. Ferner werden spezifischere Positionen in der Geschichtsdidaktik präsentiert und die inklusiven Potenziale einiger Grundlagen der Disziplin für die Konzipierung bzw. Anpassung konkreter didaktischer Tätigkeiten dargestellt (Subjektivität, Narrativität, Grundkompetenzen zur Orientierung in der Geschichte, Gegenwartsbezug, historische Prägung der Umgebung). Diese Themen werden durch Impulsvorträge eingeführt und von den Studierenden in einem Lernportfolio bearbeitet.

Der Schwerpunkt des Kurses liegt in der Vormoderne mit besonderer Berücksichtigung von Geschichtsproblemen und Ansätzen, die historische Prozesse der Inklusion und der Exklusion thematisieren. Auf der Basis dieser Impulse werden von den Studierenden für den zweiten Teil des Kurses didaktische Projekte durch Paar- und Gruppenarbeit vorbereitet, in eCampus hochgeladen, durch Peer-Feedbacks individuell kommentiert und dann (eventuell auch in Form von Micro-Teaching) in einem Referat (max. 20 Min.) vorgestellt.

Die Studienleistung besteht aus der Bearbeitung und Vorstellung der Projekte und aus einer Klausur, in der die Studierenden mit Hilfe der Lernportfolios die vorgestellten Projekte reflexiv kontextualisieren und begründen.

 

Literatur:

Bettina Alavi/Eva-Kristina Franz, Inklusions-Material Geschichte. Klasse 5–10, Berlin 2017; Bettina Alavi/Martin Lücke (Hrsg.), Geschichtsunterricht ohne Verlierer!? Inklusion als Herausforderung für die Geschichtsdidaktik, Schwalbach/Ts. 2016; Sebastian Barsch/Bettina Degner/Christoph Kühberger/Martin Lücke (Hrsg.), Handbuch Diversität im Geschichtsunterricht. Inklusive Geschichtsdidaktik, Frankfurt am Main 2020; Sandra Müller, Inklusion in der Geschichtsdidaktik. Ein Literaturbericht, in: Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 1 (2017), S. 159–182; Thomas Sandkühler u. a. (Hrsg.), Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert: Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung, Göttingen 2018 (Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, 17), S. 177–262. 

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