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Dr. Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

Die Autorität der weiblichen ‚Stimme‘. Reden und Briefe von Frauen im Mittelalter (Übung , Nr. 504002154)

Termin: mittwochs, 12 bis 14 Uhr

Ort: Institut für Geschichtswissenschaft, Raum III

Beginn: 16.10.2019

 

Die englische Althistorikerin Mary Beard hat jüngst das Problem der Macht der Frauen anhand der Autorität ihrer Stimme aufgeworfen. Ausgehend von der antiken Abscheu vor öffentlichen Reden von Frauen stellt Beard eine Kontinuität der geschlechtsspezifischen Abwertung der weiblichen Stimmen – sowie die der wenigen und eingeschränkten Ausnahmen – bis heute dar. In ihrem ‚Manifesto‘ erwähnt sie das Mittelalter kaum: Aber wie ergab sich/äußerte sich/manifestierte sich die traditionelle Exklusion der Frauen von der Autorität des öffentlichen Wortergreifens in der westlichen Christenheit des Mittelalters? Welche Handlungsmacht bzw. Handlungsspielräume hatten die Frauen in diesem Bereich? Fanden während des mittelalterlichen Jahrtausends besondere Phänomene und Entwicklungen statt? Der Kurs konzentriert sich hauptsächlich auf die meistens von Männern verfassten Darstellungen von weiblichen Reden, neben denen auch einige Briefe von Frauen betrachtet werden. Die schriftlichen Zeugen werden kontextualisiert und insbesondere mit den damaligen Normen und Wertkonstellationen verglichen.

In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen). Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten (auch an Wiki-Seiten in eCampus) und ein kurzes Referat über einen Text oder eine Figur zu halten. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur oder das Verfassen eines Protokolls in Form eines Essays und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.

Literatur:

Mary Beard, Women and Power. A Manifesto, London 2017. Joan Ferrante, To the Glory of Her Sex: Women’s Roles in the Composition of Medieval Texts, Bloomington and Indianapolis 1997. John Van Engen, The Voices of Women in Twelfth-Century Europe, in: Linda Olson/Kathryn Kerby-Fulton (Hrsg.), Voices in Dialogue, South Bend (Indiana) 2005, S. 199–212. Shawn D. Ramsey, The Voices of Counsel: Women and Civic Rhetoric in the Middle Ages, in: Rhetoric Society Quarterly 42/5 (2011), S. 472–489.

 

The Importance of Being Urban’. Die Relevanz des Pontifikats Urbans II. (1088 - 1099).
Kirchenreform - Investiturstreit - Kreuzzug  (Übung , Nr. 504002155 )

Termin: donnerstags, 14 bis 16 Uhr

Ort: Institut für Geschichtswissenschaft, Bibliotheksraum Mittelalter

Beginn: 17.10.2019

 

Kaum eine andere individuelle Laufbahn könnte die komplexen Verflechtungen der hochmittelalterlichen Kirchenreform besser beleuchten als die Papst Urbans II. Zunächst Kanoniker und Archidiakon in Reims, dann Mönch und Prior in Cluny, und letztendlich Kardinalbischof von Ostia, wurde er nach dem Tod Gregors VII. (1085) als einer der Kandidaten für dessen Nachfolge auf dem Stuhl Petri anerkannt. Als er 1088 zum Papst gewählt wurde, sah er sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert: vor allem mit den Folgen des politischen und militärischen Konflikts zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. und insbesondere mit der Konkurrenz eines starken pro-kaiserlichen Papstes, Clemens III., der Rom kontrollierte. Aber viele Regionen der Christenheit waren von tiefen Spaltungen durchdrungen, denen der sogenannte Investiturstreit eine politische Form gegeben hatte. Urban II. gelang es auf geschickte und bewusste Art und Weise – z.B. bereits durch seine Namenswahl – diese schwierige Situation zu bewältigen, seine Position zu konsolidieren und durch eigene Initiativen zeitgenössische religiöse Strömungen entscheidend zu lenken: zum Beispiel durch die Impulse zur Kanonikerreform und zum sogenannten Kreuzzug.

In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die einschlägige Literatur vorgestellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein kurzes Referat über einen Aspekt des geschichtlichen Kontexts zu halten. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur oder das Verfassen eines Protokolls in Form eines Essays und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.

Literatur:

Alfons Becker, Papst Urban II. (1088–1099), Teil 1: Herkunft und kirchliche Laufbahn. Der Papst und die lateinische Christenheit, Stuttgart 1964; Teil 2: Der Papst, die griechische Christenheit und der Kreuzzug, Stuttgart 1988; Teil 3: Ideen, Institutionen und Praxis eines päpstlichen regimen universale, Hannover 2012 (Schriften der MGH 19/I-III); Horst Fuhrmann, Das Papsttum zwischen Frömmigkeit und Politik – Urban II. (1088–1099) und die Frage der Selbstheiligung, in: Ernst-Dieter Hehl u. a. (Hrsg.), Deus qui mutat tempora. Menschen und Institutionen im Wandel des Mittelalters. Festschrift für Alfons Becker zu seinem 65. Geburtstag, Sigmaringen 1987, S. 157–172; Georg Gresser, Die Kreuzzugsidee Papst Urbans II. im Spiegel der Synoden von Piacenza und Clermont, in: Peter Bruns/Georg Gresser (Hrsg.), Vom Schisma zu den Kreuzzügen, 1054–1204, Paderborn u. a. 2005, S. 133–154.


Inklusionsorientierte Fragestellungen im Fach Geschichte (Plenum , Nr. 5040021009)

Termin: freitags, 10 bis 12 Uhr

Ort: Hörsaal XV, Hauptgebäude (1. Teil des Kurses und Klausur)

Termin: freitags, 10 bis 14 Uhr

Ort: Institut für Geschichtswissenschaft, Bibliotheksraum Neuzeit (2. Teil des Kurses und Klausur)

Beginn: 11.10.2019

 

Die Veranstaltung behandelt und problematisiert das inklusive Potenzial des Lernens und Lehrens von Geschichte, um ein neues Professionalitätsverständnis der Lehrkräfte einzuleiten (Punkt 14 der Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung). Im ersten Teil des Kurses werden die Prinzipien und Ziele der schulischen Inklusion kurz erläutert und historisch kontextualisiert sowie die aktuelle Debatte in Deutschland vorgestellt. Außerdem wird auf einige allgemeine, im Geschichtsunterricht einsetzbare didaktische Strategien bzw. Methoden hingewiesen. Ferner werden spezifischere Positionen in der Geschichtsdidaktik präsentiert und die inklusiven Potenziale einiger Grundlagen der Disziplin für die Konzipierung bzw. Anpassung konkreter didaktischer Tätigkeiten dargestellt (Subjektivität, Narrativität, Grundkompetenzen zur Orientierung in der Geschichte, Gegenwartsbezug, historische Prägung der Umgebung). Diese Themen werden durch Impulsvorträge eingeführt und von den Studierenden in einem Lernportfolio bearbeitet.

Der Schwerpunkt des Kurses liegt in der Vormoderne mit besonderer Berücksichtigung von Geschichtsproblemen und Ansätzen, die historische Prozesse der Inklusion und der Exklusion thematisieren. Auf der Basis dieser Impulse werden von den Studierenden für den zweiten Teil des Kurses didaktische Projekte durch Paar- und Gruppenarbeit vorbereitet, in eCampus hochgeladen, durch Peer-Feedbacks individuell kommentiert und dann (eventuell auch in Form von Micro-Teaching) in einem Referat (max. 20 Min.) vorgestellt.

Die Studienleistung besteht aus der Bearbeitung und Vorstellung der Projekte und aus einer Klausur, in der die Studierenden mit Hilfe der Lernportfolios die vorgestellten Projekte reflexiv kontextualisieren und begründen.

Literatur:

Bettina Alavi/Eva-Kristina Franz, Inklusions-Material Geschichte. Klasse 5–10, Berlin 2017; Bettina Alavi/Martin Lücke (Hrsg.), Geschichtsunterricht ohne Verlierer!? Inklusion als Herausforderung für die Geschichtsdidaktik, Schwalbach/Ts. 2016; Sandra Müller, Inklusion in der Geschichtsdidaktik. Ein Literaturbericht, in: Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften, 1 (2017), S. 159–182; Hans-Jürgen Pandel, Geschichtsdidaktik. Eine Theorie für die Praxis, Schwalbach/Ts. 2013; Thomas Sandkühler u. a. (Hrsg.), Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert: Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung, Göttingen 2018 (Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, 17), S. 177–262; Kerstin Ziemen, Inklusion und »kulturhistorisches« Denken, in: Kerstin Ziemen u. a. (Hrsg.), Inklusion – Herausforderungen, Chancen und Perspektiven, Hamburg 2011, S. 9–20.

 

 



 

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