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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2015/2016 - Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

 

Die Häresie erfinden. Wahrnehmungs-, Bezeichnungs- und Stigmatisierungsprozesse am Beispiel erzählerischer und theoretischer Quellen über Häretiker (4.-12. Jahrhundert) (Übung, Nr.: 504001350)

Termin: Mittwochs, 12-14 Uhr

Ort: Raum 116 (Konviktstr. 11)

Dauer: von 28.10.2015

 

Häresien zählen zu den wichtigsten Phänomenen der mittelalterlichen Religiosität und haben einen entscheidenden Beitrag zur Definition der Identität der Christenheit geleistet. In diesem Sinne sind sie eine Konstruktion, die seit der Spätantike den Prozessen der Abgrenzung und Ausgrenzung christlicher Gemeinschaften diente. Auf der Basis der theoretischen Grundlagen der Kirchenväter (wie Augustinus) entstand ein Wissen über die Häretiker, das jahrhundertelang die Wahrnehmung, Bezeichnung und Stigmatisierung der religiösen Devianten bzw. Nonkonformisten geprägt hat. Erst seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts haben die Entwicklungsprozesse der hochmittelalterlichen Gesellschaft – darunter die Kirchenreform sowie die Entstehung neuer religiöser Bewegungen – dieses Wissen allmählich obsolet gemacht und die Geistlichen letztendlich dazu gezwungen, es in neuen Schriften gegen die Häresien zu vertiefen und zu überarbeiten.

 

In der Übung werden die einschlägigen historiographischen Probleme und die dazugehörigen Quellen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) vorgestellt und diskutiert. In Bezug auf allgemeineren Schlüsselkompetenzen für Historiker werden in jeder Sitzung klassische und neue historiographische Ansätze sowie die Typologien der analysierten Quellen thematisiert.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und als Studienleistung ein Kurzreferat (10–15 Minuten) zu halten. Für Studierende des Moduls Schlüsselkompetenzen wird die Prüfungsleistung durch eine Klausur erbracht.

 

Einführende Literatur:

Hans-Werner Goetz, Die Wahrnehmung anderer Religionen und christlich-abendländisches Selbstverständnis im frühen und hohen Mittelalter (5.–12 Jahrhundert), Berlin 2013, Bd. 1, S. 1–22.

Hans-Werner Goetz, Häresie – Was ist das? Die Wahrnehmung von Häretikern im früheren Mittelalter: in Marc Föcking/Hans-Werner Goetz (Hg.), Ungläubige, Teufelsdiener, Abtrünnige … Der Umgang mit Andersgläubigen in Geschichte und Gegenwart, Münster 2013 (Hamburger geisteswissenschaftliche Studien zur Religion und Christenheit, 3), S. 35–57.

Jörg Oberste, Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, Darmstadt 22012 (Geschichte Kompakt).

Peter Segl, Mediävistische Häresieforschung, in: Hans-Werner Goetz (Hg.), Die Aktualität des Mittelalters, Bochum 2000 (Herausforderungen – Historisch-politische Analysen, 10), S. 107-133.

Sita Steckel, Falsche Heilige. Feinbilder des ‚Ketzers’ in religiösen Debatten der lateinischen Kirche des Hoch- und Spätmittelalters, in: Alfons Fürst et alii (Hg.), Von Ketzern und Terroristen. Interdisziplinäre Studien zur Konstruktion und Rezeption von Feinbildern, Münster 2012, S. 17-43.

 

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