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Prof. Dr. Matthias Becher

Prof. Dr. Matthias Becher

Das Ende der Einheit. Die Salier und der Investiturstreit (Vorlesung, Nr. 504002412)

Termin: donnerstags, 10 bis 12 Uhr

Ort: Hauptgebäude, Hörsaal III

Beginn: 15.04.2021

 

Im Jahre 1076 wurde die lateinische Christenheit von einem ungeheuren Vorgang erschüttert: Der Salierkönig Heinrich IV. wurde von Papst Gregor VII. exkommuniziert, weil er sich ungehorsam gezeigt hatte. Zudem löste Gregor alle Untertanen des Herrschers von ihrer Treueverpflichtung und stellte damit die Herrschaft des Saliers insgesamt in Frage. Überraschend schnell brach dessen Stellung im Reich in sich zusammen. Heinrich konnte sich als König nur halten, indem er dem Papst im Januar 1077 als Büßer gegenübertrat. Der Ort dieses Geschehens war die Burg Canossa, deren Name insbesondere seit dem Kulturkampf des 19. Jh. als Inbegriff einer politischen Unterwerfung gilt. Dieses Geschehen steht symbolisch für den sogenannten Investiturstreit, in dem sich die Kirche aus der weltlichen Vorherrschaft löste und das sakrale Herrschertum ottonisch-salischer Prägung sein Ende fand. Heinrich IV. geriet allerdings nicht nur von Seiten des Papstes unter Druck, auch die deutschen Fürsten und vor allem die Sachsen waren nicht länger bereit, seine Herrschaft zu akzeptieren. Die Gründe für diese Auseinandersetzungen sind in einem schleichenden gesellschaftlichen Wandel zu sehen, der den bis in die erste Hälfte des 11. Jh. herrschenden Grundkonsens zwischen geistlicher und weltlicher Macht einerseits sowie zwischen Herrscher und Fürsten andererseits nachhaltig störte.

 

Literatur: Egon Boshof, Die Salier, 5. Auflage Stuttgart 2008; Werner Goez, Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, Stuttgart 2000; Jochen Johrendt, Investiturstreit, Darmstadt 2018; Wilfried Hartmann, Der Investiturstreit, 3. Auflage München 2007; Stefan Weinfurter, Das Jahrhundert der Salier (1024-1125), Ostfildern 2004; Ders., Canossa. Die Entzauberung der Welt, 3. Auflage München 2007; Claudia Zey, Der Investiturstreit, München 2017.

 

Eine Revolution? Der Investiturstreit als Zeit politischer und sozialer Veränderungen (Hauptseminar, Nr. 504002454)

Termin: mittwochs, 10 bis 12 Uhr

Ort: Raum I (Großer Übungsraum), Institut für Geschichtswissenschaft, Konviktstraße  11

Beginn: 14.04.2021

 

Im sogenannten Investiturstreit wurde die bis dahin in der westlichen Christenheit geltende kirchliche und politische Ordnung in Frage gestellt. Zuvor waren die geistliche und die weltliche Sphäre nicht klar voneinander abgegrenzt und gingen gleichsam ineinander über. Die „Entzauberung der Welt“, so Stefan Weinfurter, gab den Anstoß zu einer Entwicklung, die zu einer klareren Trennung von Kirche und Staat führte. Symbolisiert wird diese Veränderung wohl am besten durch den sogenannten „Gang nach Canossa“ 1077, eine Folge der ersten Exkommunikation Heinrichs IV. durch Papst Gregor VII. Im engen Zusammenhang mit diesen Vorgängen erhoben sich die Fürsten gegen den König, eine jahrzehntelange Auseinandersetzung war die Folge, die nicht nur auf die Oberschicht beschränkt war. In Sachsen etwa kämpften auch einfache Bauern gegen den König, und in vielen Bistümern standen ein königlicher und ein päpstlicher Bischof gegeneinander mit erheblichen Folgen für die Gläubigen. Es entstand eine Frühform der Öffentlichkeit, in der ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ in Form von sogenannten Streitschriften intensiv debattiert wurden. Zugleich setzt in dieser Zeit aber auch die Emanzipation der Stadtbevölkerung von ihren zumeist bischöflichen Stadtherren ein. Im Seminar sollen diese vielfältigen Prozesse betrachtet und analysiert werden.

 

Literatur: Florian Hartmann (Hrsg.), Brief und Kommunikation im Wandel. Formen, Autoren und Kontexte in den Debatten des Investiturstreits (Papsttum im mittelalterlichen Europa 5), Köln u. a. 2016; Jörg Jarnut/Matthias Wemhoff (Hrsg.), Vom Umbruch zur Erneuerung? Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert – Positionen der Forschung (MittelalterStudien des Instituts zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, 13), München 2006; Jutta Schlick, König, Fürsten und Reich (1056-1159). Herrschaftsverständnis im Wandel (Mittelalter-Forschungen, 7), Stuttgart 2001; Knut Schulz, „Denn sie lieben die Freiheit so sehr …“ Kommunale Aufstände und Entstehung des europäischen Bürgertums im Hochmittelalter. Darmstadt 1992; Stefan Weinfurter, Canossa. Die Entzauberung der Welt, 3. Auflage München 2007.

 

Bachelor-Colloquium (Kolloquium, Nr. 504002447)

Termin: Nach Absprache

Ort: Bibliotheksraum Mittelalter, Institut für Geschichtswissenschaft

 

Die Veranstaltung dient der Begleitung Studierender, die ihre Bachelorarbeit verfassen. Sie erhalten die Gelegenheit, ihr Thema sowie die Anlage ihrer Arbeit vorzustellen und zu diskutieren.

 

Colloquium für Masterkandidaten und Doktoranden (Kolloquium, Nr. 504002471)

Termin: dienstags, 18 bis 21 Uhr

Ort: Raum I (Großer Übungsraum), Institut für Geschichtswissenschaft, Konviktstraße 11

 

Die Veranstaltung dient der Vorstellung und der Diskussion laufender Dissertationen und Master-Arbeiten. Ferner werden aktuelle Tendenzen der Forschung behandelt.

Als Studienleistung wird neben der regelmäßigen aktiven Teilnahme an den Sitzungen die Übernahme eines Referats mit Thesenpapier erwartet.

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