Sie sind hier: Startseite Lehre Sommersemester 2020 Dr. Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

‚Säulen der Macht‘. Die Bischöfe zwischen Päpsten und Königen, Stiften und Klöstern, Adligen und Städten in ottonischer und salischer Zeit (Übung, Nr. 504002221)

Termin: mittwochs, 12 bis 14 Uhr

Ort: Raum III (Kleiner Übungsraum), Konviktstraße 11

Dauer: 08.04.bis 15.07.2020

 

Die Bischöfe als Hauptamtsträger der kirchlichen Organisation in den Städten und in den ihnen zugewiesenen Gebieten (Diözesen) hatten seit der Spätantike wichtige politisch-institutionelle Funktionen in den Strukturen des römischen Imperiums und dessen Nachfolger-eichen inne. Ihre Schlüsselrolle wurde im frühmittelalterlichen westlichen Christentum so gestärkt, dass man für das Zeitalter um das Jahr 1000 von einem „Europa der Bischöfe“ ge-sprochen hat; und die Machtgefüge der ottonischen und salischen Dynastien wurden teils durch das Konstrukt „Reichskirchensystem“ beschrieben, deren ‚Säule‘ die Bischöfe darstell-ten. Ihre zentrale Position in der Machtkonfiguration des Reichs und der Kirche erklärt auch ihre Relevanz in den Prozessen des 11. Jahrhunderts, die vom Gesichtspunkt der Bischöfe als Herausforderungen aufgefasst werden konnten: die Kirchenreform, die papstgeschichtliche Wende, die Legitimationskrise der salischen Dynastie, die Tendenz der Städte zur politischen Autonomie sowie der Aufstieg neuer sozialer Gruppen.

In der Übung werden Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhan-den, deutsche/englische Übersetzungen) und vor allem die Literatur über das Thema vorge-stellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten (auch an Wiki-Seiten in eCampus) und ein kurzes Referat über einen Aspekt des Themas oder über ein Fallbeispiel zu halten. Die Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht.

 

Literatur:

TINA BODE, König und Bischof in ottonischer Zeit. Herrschaftspraxis – Handlungsspielräume – Interaktionen, Husum 2015 (Historische Studien, 506); TIMOTHY REUTER, Ein Europa der Bischöfe. Das Zeitalter Burchards von Worms, in: Wilfried Hartmann (Hrsg.), Bischof Burch-ard von Worms, 1000–1025, Mainz 2000 (Quellen und Abhandlungen zur Mittelrheinischen Kirchengeschichte, 100), S. 1–28; RUDOLF SCHIEFFER, Der ottonische Reichsepiskopat zwi-schen Königtum und Adel, in: Frühmittelalterliche Studien 23 (1989), S. 291–301; STEFAN WEINFURTER, Bischof und Reich. Wandel der Autoritäten und Strukturen in der späteren Salierzeit, in: Christoph Stiegmann/Matthias Wemhoff (Hrsg.), Canossa 1077. Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik, Band I: Essays, München 2006, S. 150–157.

 

 

Der Pseudoisidor-Fall. Entstehungszusammenhänge, Überlieferung und Rezeption einer Fälschung (9.–11. Jahrhundert) (Übung, Nr. 504002256)

Termin: donnerstags, 14 bis 16 Uhr

Ort: Raum 000.6 (Bibliotheksraum Mittelalter), Konviktstraße 11

Dauer: 09.04. bis 16.07.2020

 

Vor dem Hintergrund der Spaltungen, die seit der Regierungszeit Ludwigs des Frommen eine tiefe politisch-institutionelle Herrschaftskrise der karolingischen Dynastie verursachten, ent-standen die kirchenrechtlichen Textsammlungen, die unter dem Namen Pseudoisidor bekannt sind. Es handelt sich um einen Komplex von Fälschungen, die überwiegend aus Papstbriefen bzw. -dekretalen aus den ersten Jahrhunderten der Kirche bestehen, und die darauf abzielten, die Position der Bischöfe vor Anklagen zu schützen, vor allem gegenüber den Erzbischöfen. Da als Garantie für die Bischöfe auch die Rolle des Papstes besonders hervorgehoben wurde, hatte dieses umfangreiche kirchenrechtliche ‚Arsenal‘ ein zusätzliches großes Potential: den Primat der römischen Kirche zu untermauern. Deshalb wurde Pseudoisidor eine zentrale textuelle Ressource für die Umsetzung der Ansprüche des Reformpapsttums im 11. Jahrhundert.

Die allgemeinen methodischen Aspekte des Umgangs mit Fälschungen sowie die spezifische Analyse der Arbeit der Fälscherwerkstatt, der Überlieferung dieser Textsammlungen und ihrer Edition werden unter besonderer Berücksichtigung der Beiträge der historischen Grundwis-senschaften betrachtet.
In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die Forschungsliteratur vorge-stellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, ein kurzes Referat zu halten und eine kurze Zusammenfassung in eCampus zu erstellen. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur oder das Verfassen eines Protokolls in Form eines Essays und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.

 

Literatur:

CLARA HARDER, Pseudoisidor und das Papsttum. Funktion und Bedeutung des apostolischen Stuhls in den pseudoisidorischen Fälschungen, Köln/Weimar/Wien 2014 (Papsttum im mittelalterlichen Europa, 2). WILFRIED HARTMANN/GERHARD SCHMITZ (Hrsg.), Fortschritt durch Fälschungen? Ursprung, Gestalt und Wirkungen der pseudoisidorischen Fälschungen, Hannover 2002 (MGH, Studien und Texte, 31). STEFFEN PATZOLD, Gefälschtes Recht aus dem Frühmittelalter. Untersuchungen zur Herstellung und Überlieferung der pseudoisidorischen Dekretalen, Heidelberg 2015 (Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 55). KARL UBL/DANIEL ZIEMANN (Hrsg.), Fälschung als Mittel der Politik? Pseudoisidor im Licht der neuen Forschung: Gedenkschrift für Klaus Zechiel-Eckes, Wiesbaden 2015 (MGH, Studien und Texte, 57). KLAUS ZECHIEL-ECKES, Ein Blick in Pseudoisidors Werkstatt. Studien zum Entstehungsprozeß der Falschen Dekretalen. Mit einem exemplarischen editorischen Anhang (Pseudo-Julius an die orientalischen Bischöfe, JK † 196), in: Francia 28/1 (2001), S. 37–90.
 

  

Inklusionsorientierte Fragestellungen im Fach Geschichte (Plenum, Nr. 504002207)

1. Teil des Kurses und Klausur

Termin:  freitags, 10 bis 12 Uhr

Ort:  Hauptgebäude, Hörsaal XV

Dauer:  17.04. bis 19.06.2019

Klausur: 17.07.2020

 

2. Teil des Kurses

Termin:  freitags, 10 bis 14 Uhr

Ort:  Raum 18 (Bibliotheksraum Neuzeit), Konviktstraße 11

Dauer:   26.06. bis 10.07.2019

 

Die Veranstaltung behandelt und problematisiert das inklusive Potenzial des Lernens und Lehrens von Geschichte, um ein neues Professionalitätsverständnis der Lehrkräfte einzuleiten (Punkt 14 der Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung). Im ersten Teil des Kurses werden die Prinzipien und Ziele der schulischen Inklusion kurz erläutert und historisch kontextualisiert sowie die aktuelle Debatte in Deutschland vorgestellt. Außerdem wird auf einige allgemeine, im Geschichtsunterricht einsetzbare didaktische Strategien bzw. Methoden hingewiesen. Ferner werden spezifischere Positionen in der Geschichtsdidaktik präsentiert und die inklusiven Potenziale einiger Grundlagen der Disziplin für die Konzipierung bzw. Anpassung konkreter didaktischer Tätigkeiten dargestellt (Subjektivität, Narrativität, Grundkompetenzen zur Orientierung in der Geschichte, Gegenwartsbezug, historische Prägung der Umgebung). Diese Themen werden durch Impulsvorträge eingeführt und von den Studierenden in einem Lernportfolio bearbeitet.

Der Schwerpunkt des Kurses liegt in der Vormoderne mit besonderer Berücksichtigung von Geschichtsproblemen und Ansätzen, die historische Prozesse der Inklusion und der Exklusion thematisieren. Auf der Basis dieser Impulse werden von den Studierenden für den zweiten Teil des Kurses didaktische Projekte durch Paar- und Gruppenarbeit vorbereitet, in eCampus hochgeladen, durch Peer-Feedbacks individuell kommentiert und dann (eventuell auch in Form von Micro-Teaching) in einem Referat (max. 20 Min.) vorgestellt.

Die Studienleistung besteht aus der Bearbeitung und Vorstellung der Projekte und aus einer Klausur, in der die Studierenden mit Hilfe der Lernportfolios die vorgestellten Projekte reflexiv kontextualisieren und begründen.

 

Literatur:

BETTINA ALAVI/EVA-KRISTINA FRANZ, Inklusions-Material Geschichte. Klasse 5–10, Berlin 2017. BETTINA ALAVI/MARTIN LÜCKE (Hrsg.), Geschichtsunterricht ohne Verlierer!? Inklusi-on als Herausforderung für die Geschichtsdidaktik, Schwalbach/Ts. 2016. SEBASTIAN BARSCH, Historisch denken lehren in inklusiven Klassen: Gegenwart und Zukunft, in: Wal-traud Schreiber/Béatrice Ziegler/Christoph Kühberger (Hrsg.), Geschichtsdidaktischer Zwi-schenhalt. Beiträge aus der Tagung „Kompetent machen für ein Leben in, mit und durch Ge-schichte“ in Eichstätt vom November 2017, Münster 2019, S. 282–289. SANDRA MÜLLER, Inklusion in der Geschichtsdidaktik. Ein Literaturbericht, in: Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 1 (2017), S. 159–182. THOMAS SANDKÜHLER U. A. (Hrsg.), Ge-schichtsunterricht im 21. Jahrhundert: Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung, Göt-tingen 2018 (Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, 17), S. 177–262. KERSTIN ZIE-MEN, Inklusion und »kulturhistorisches« Denken, in: Kerstin Ziemen u. a. (Hrsg.), Inklusion – Herausforderungen, Chancen und Perspektiven, Hamburg 2011, S. 9–20.

Artikelaktionen