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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017 - Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

 

"Sleepwalking into a new world?" Die Entstehung der italienischen Stadtkommunen (11. - 12. Jahrhundert) (Übung, Nr.: 504001616 )

Termin: mittwochs, 12-14 Uhr

Ort: Raum 116 (Konviktstr. 11)

Dauer: von 19.04.2017

 

Der englische Mediävist Chris Wickham hat jüngst versucht, sich durch die Metapher des ‚Schlafwandelns in eine neue Welt‘ dem Einfluss einer sehr verbreiteten Meistererzählung zu entziehen, die die Entstehung der italienischen Stadtkommunen seit dem 11. Jahrhundert als eine der wichtigsten Vorankündigungen der politischen und kulturellen Modernität deutet. Es geht ihm dabei nicht darum, die Neuartigkeit dieser Entwicklung abzulehnen oder in Frage zu stellen, sondern die Allmählichkeit der Prozesse zu verstehen, die nicht von Anfang an bewusst wahrgenommen und gefördert wurden und erst seit der Mitte des 12. Jahrhunderts zu relativ stabilen Formen autonomer Stadtregierungen führten. Anhand der Literatur der letzten Jahrzehnte konzentriert sich der Kurs auf die Komplexität dieser Prozesse, indem die verschiedenen Aspekte dieser Entstehung betrachtet werden: die Stellung der Stadt und der Stadtbewohner in den Reichsstrukturen, die religiöse Komponente der Stadtgemeinschaft und die Funktionen der kirchlichen Institutionen, die Rolle des Adels, die soziale Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit der städtischen Gemeinschaft, das Verhältnis der Stadt zum Land, der Wirtschafts- und Kommunikationsaufschwung, das Verhältnis zwischen Stadt und Entstehung neuer Wissensformen sowie die Umgestaltung der horizontalen und vertikalen politischen Verhältnisse (zum Beispiel in den Formen der politischen Repräsentation und Kommunikation).  

In der Übung werden Forschungsbeiträge vorgestellt und diskutiert und einige Quellen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) analysiert. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, ein Protokoll einer Sitzung zu schreiben und ein Poster über eine italienische Stadt im 11. und 12. Jahrhundert vorzubereiten und zu präsentieren (max. zehn Minuten). Eine Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht.

Literatur: 

Christoph Dartmann, Politische Interaktion in der italienischen Stadtkommune (11.-14. Jahrhundert), Ostfildern 2012 (Mittelalter-Forschungen, Bd. 36), S. 1-294; Hagen Keller, Die Erforschung der italienischen Stadtkommunen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, in: Frühmittelalterliche Studien 48 (2015), S. 1-38; Giovanni Tabacco, The struggle for power in medieval Italy. Structures of political Rule, Cambridge 1989 (Cambridge Medieval Textbooks), S. 183-236, 321-344; Chris Wickham, Sleepwalking into a new World. The Emergence of Italian City Communes in the Twelfth Century, Princeton 2015.

In der Übung werden Forschungsbeiträge vorgestellt und diskutiert und einige Quellen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) analysiert. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, ein Protokoll einer Sitzung zu schreiben und ein Poster über eine italienische Stadt im 11. und 12. Jahrhundert vorzubereiten und zu präsentieren (max. zehn Minuten). Eine Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht.

  

Gregor VII., ein Charismatiker? Vorstellungen, Stellungnahmen und Entscheidungen des bedeutendsten Reformpapstes im religiösen Feld des 11. Jahrhunderts (Übung, Nr.: 504001655)

Termin: donnerstags, 14-16 Uhr

Ort: Bibliotheksraum Mittelalter

Dauer: von 20.04.2017

 

Den Eindruck einer ungewöhnlichen und fast beunruhigenden ‚Reformenergie‘ Hildebrands, des zukünftigen Papst Gregor VII., vermittelte der gelehrte Mönch und Eremit Petrus Damiani († 1072), dem zufolge Papst Alexander II. (1061-1073) ihn sogar ‚zu Gott gemacht‘ habe. Die Amtszeit Gregors (1073-1085) ist von einem ‚Sendungsbewusstsein‘ charakterisiert, das unter anderem daraus resultiert, dass einige zentrale Vorstellungen dieses Papstes von der Tradition abwichen, und dass manche seiner wichtigen Stellungnahmen und Entscheidungen herkömmliche institutionelle Strukturen der Kirche und der Christenheit radikal infrage stellten. Durch die Analyse der vorhandenen Texte Gregors, seiner Anhänger und seiner Gegner soll im Kurs versucht werden, zu verifizieren, ob seine Amtsführung bzw. sein Amtsverständnis von charismatischen Merkmalen geprägt wurde. Diese mögliche Komponente seines Pontifikats wird innerhalb des breiteren religiösen Feldes des 11. Jahrhunderts kontextualisiert, indem unter Charisma ein besonderes, historisch verortetes, soziales Konstrukt der Religiosität verstanden wird.

In der Übung werden Quellen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen), und die einschlägigen historiographischen und religionssoziologischen Probleme vorgestellt und diskutiert. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein individuelles Referat zu halten (max. fünfzehn Minuten). Die Prüfungsleistung wird durch das Verfassen eines fünfseitigen Protokolls in Form eines Essays im fachwissenschaftlichen Master und durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung im Master für das Lehramt erbrac

Literatur: Horst Fuhrmann: Papst Gregor VII. und das Zeitalter der Reform. Annäherungen an eine europäische Wende. Ausgewählte Aufsätze, hrsg. von M. Hartmann, Wiesbaden 2016 (Monumenta Germaniae Historica – Schriften, Bd. 72), S. 3-119; Rudolf Schieffer: Papst Gregor VII.: Kirchenreform und Investiturstreit, München 2010; Gerd Tellenbach: Die westliche Kirche vom 10. bis zum frühen 12. Jahrhundert, Göttingen 1988 (Die Kirche in ihrer Geschichte. Ein Handbuch, 2,1).

In der Übung werden Quellen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen), und die einschlägigen historiographischen und religionssoziologischen Probleme vorgestellt und diskutiert. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein individuelles Referat zu halten (max. fünfzehn Minuten). Die Prüfungsleistung wird durch das Verfassen eines fünfseitigen Protokolls in Form eines Essays im fachwissenschaftlichen Master und durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung im Master für das Lehramt erbracht.

 

 

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