Sie sind hier: Startseite Lehre Sommersemester 2016 Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016 - Eugenio Riversi

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016 - Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

 

Eckbert, Elisabeth und die Katharer. Amtskirche, Mystik und Häresie anhand der Laufbahnen Eckberts und Elisabeths von Schönau (Übung, Nr.: 504001435 )

Termin: Mittwochs, 12-14 Uhr

Ort: Raum 116 (Konviktstr. 11)

Dauer: von 13.04.2016

 

Ein Jahr nach der öffentlichen Verbrennung einiger Ketzer in Köln (1163) wurde dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel ein Traktat gegen Häretiker gewidmet, die nach einer antiken Bezeichnung als Katharer definiert wurden. Sein Autor, Eckbert, Abt des Doppelklosters von Schönau, hatte sich seit den 40er Jahren – als er Kanoniker in Bonn war – mit solchen Häretikern auseinandergesetzt, die eine radikale Herausforderung für die Amtskirche bedeuteten. Die Entstehung dieser ‚Gefahr‘ war auch eng mit der Entwicklung der kirchlichen Institutionen verbunden, die auf der einen Seite die hierarchischen und exklusiven Aspekte der jahrhundertelangen Reformströmungen unterstrichen und auf der anderen die Formen und Praktiken des religiösen Lebens stärker disziplinierten. Das Spannungsfeld zwischen Institutionen und Bewegungen offenbart sich auch am Beispiel der weiblichen Religiosität: Frauen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen waren auf der Suche nach einem eigenen Weg zwischen der Teilnahme an den ketzerischen Gruppen und neuen Formen des klösterlichen Lebens. Die religiöse Erfahrung einer Frau trug auch zu einer entscheidenden Wende in der Laufbahn Eckberts von Schönau bei. Die ‚Zähmung‘ der mystischen Stimme seiner Schwester Elisabeth, deren Visionen er niederschrieb, diente Eckberts Idee einer erneuerten und öffentlich betonten orthodoxen christlichen Identität, die er den Katharern entgegenstellen wollte

In der Übung werden Quellen, die diese bedeutenden Laufbahnen des 12. Jahrhunderts betreffen (lateinischer Text und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen), und die einschlägigen historiographischen Probleme vorgestellt und diskutiert. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und regelmäßig in festen Gruppen zu arbeiten, im Rahmen derer ein individuelles Referat (max. fünfzehn Minuten) und kurze Berichte gehalten werden müssen. Eine Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht.

 

Einführende Literatur:

Anne L. Clark, Elisabeth of Schönau, in: Alastair J. Minnis/Rosalynn Voaden (Hrsg.), Medieval Holy Women in the Christian Tradition, c. 1100-c. 1500, Turnhout 2011, S. 371–392.

Giles Constable, The Reformation of the Twelfth Century, Cambridge 1996.

Peter Dinzelbacher, Mittelalterliche Frauenmystik, Paderborn 1993, S. 78–101.

Franz J. Felten, Frauenklöster und -stifte im Rheinland im 12. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Frauen in der religiösen Bewegung des hohen Mittelalters, in: Stefan Weinfurter (Hrsg.), Reformpolitik und Reformidee im spätsalisch-frühstaufischen Reich (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 68), Mainz 1992, S. 189–300.

Heinz Finger, Häresien und ihre Bekämpfung in den rheinischen (Erz-)Bistümern im Mittelalter, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 208 (2005), S. 57–86.

Joachim Kemper, Das benediktinische Doppelkloster Schönau und die Visionen Elisabeths von Schönau, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 54 (2002), S. 55–102.

Artikelaktionen