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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013 - Matthias Becher

Prof. Dr. Matthias Becher

 

Die "Entzauberung der Welt". Kirchenreform und Fürstenwiderstand im Reich der Salier (Vorlesung, Nr.: 504000872)

Termin: Donnerstags, 10-12 Uhr

Ort: Hörsaal III (Hauptgebäude)

Dauer: 11.04.2013 bis 18.07.2013

Im Jahre 1076 wurde die lateinische Christenheit von einem ungeheuren Vorgang erschüttert: Der Salierkönig Heinrich IV. wurde von Papst Gregor VII. exkommuniziert, weil er sich ungehorsam gezeigt hatte. Zudem löste Gregor alle Untertanen des Herrschers von ihrer Treueverpflichtung und stellte damit die Herrschaft des Saliers insgesamt in Frage gestellt. Überraschend schnell brach dessen Stellung im Reich in sich zusammen. Heinrich konnte seine Stellung als König nur retten, indem er dem Papst im Januar 1077 als Büßer gegenübertrat. Der Ort dieses Geschehens war die Burg Canossa, deren Name insbesondere seit dem Kulturkampf des 19. Jh. als Inbegriff einer politischen Unterwerfung gilt. Dieses Geschehen steht symbolisch für den sogenannten Investiturstreit, in dem sich die Kirche aus der weltlichen Vorherrschaft löste und das sakrale Herrschertum ottonisch-salischer Prägung sein Ende fand. Heinrich IV. kam allerdings nicht nur von Seiten des Papstes unter Druck, auch die deutschen Fürsten und vor allem die Sachsen waren nicht länger bereit, seine Herrschaft zu akzeptieren. Die Gründe dafür sind in einem schleichenden gesellschaftlichen Wandel zu sehen, der den bis in die erste Hälfte des 11. Jh. herrschenden Grundkonsens zwischen Herrscher und Fürsten aufbrach.

Literatur: E. Boshof, Die Salier (1987 u.ö.); W. Goez, Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122 (2000); W. Hartmann, Der Investiturstreit (1993); J. Jarnut/M. Wemhoff (Hg.), Vom Umbruch zur Erneuerung? Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert (2006); S. Weinfurter, Das Jahrhundert der Salier (1024-1125) (2004); Ders., Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 32007.

 

Canossa. Zwischen Faktengeschichte, Vorstellungsgeschichte und historischer Memorik (Hauptseminar, Nr.: 504000924)

Termin: Mittwochs, 10-12 Uhr

Ort: Raum 114 (Konviktstr. 11)

Dauer: 10.04.2013 bis 17.07.2013

Wie wohl kaum ein anderer Ort steht „Canossa“ im modernen Sprachgebrauch nicht nur für ein bestimmtes historisches Geschehen – den Bußgang König Heinrichs IV. zu Papst Gregor VII. –, sondern ist auch zur Chiffre eines fundamentalen Wandels geworden, der Lösung des Papsttums aus der Dominanz des mittelalterlichen Kaisertums. Aber vor allem die Faktengeschichte wird in jüngster Zeit intensiv diskutiert, nachdem Johannes Fried auf der Grundlage der von ihm entwickelten Methodik der „Historischen Memorik“ eine Neuinterpretation des Geschehens vorgelegt hat und zu dem Schluss gekommen ist, König und Papst hätten in Canossa einen Friedenspakt miteinander geschlossen, der am Egoismus der Fürsten gescheitert sei. Damit impliziert sein Ansatz auch eine grundlegende Neubewertung der Epoche insgesamt.

Literatur: J. Fried, Der Pakt von Canossa. Schritte zur Wirklichkeit durch Erinnerungsanalyse, in: W. Hartmann/K. Herbers (Hg.), Die Faszination der Papstgeschichte. Neue Zugänge zum frühen und hohen Mittelalter (2008), S. 133-197; Ders., Canossa – Entlarvung einer Legende. Eine Streitschrift (2012); H. Zimmermann, Der Canossagang von 1077. Wirkungen und Wirklichkeit (1975).

 

Die Demontage eines Herrschers: Heinrich IV. (1056-1106) im Spiegel der zeitgenössischen Historiographie (Übung, Nr.: 504000925)

Termin: Dienstags, 18-20 Uhr

Ort: Raum 114 (Konviktstr. 11)

Dauer: 04.04.2013 bis 16.07.2013

Heinrich IV. galt der deutschsprachigen Forschung des 19. und auch noch des 20. Jahrhunderts geradezu als Märtyrer im Kampf des Königtums um eine starke Zentralgewalt, die er gegen die Ansprüche sowohl des Papstes als der Fürsten zu wahren versucht habe. Seine Handlungen wurden daher eher verteidigt, insbesondere auch gegen die vielen negativen Aussagen der zeitgenössischen erzählenden Quellen. Gerd Althoff hat deren Ausführungen in seiner Biographie des Saliers allerdings verteidigt und sie zur Grundlage seiner Darstellung gemacht. In der Veranstaltung soll es darum gehen, die Aussagen der Quellen über den Salier sorgfältig zu prüfen und dabei zu berücksichtigen, dass die meisten Autoren den Gegnern Heinrichs IV. zugeordnet werden können.

Literatur: G. Althoff, Heinrich IV. (2006); Ders. (Hg.), Heinrich IV. (2009); E. Boshof, Heinrich IV. Herrscher an einer Zeitenwende (²1990); I.S. Robinson, Henry IV of Germany, 1056-1106 (1999).

 

Bachelor-Colloquium (Projektseminar, Nr.: 504000915)

Termin: tba

Ort: tba

Dauer: tba

 

Colloquium für Masterkandidaten und Doktoranden (Oberseminar, Nr.: 504000926)

Termin: Donnerstags, 16-19 Uhr

Ort: Raum 116 (Konviktstr. 11)

Dauer: 11.04.2013 bis 18.07.2013

In der Veranstaltung sollen die Teilnehmer entweder neueste Forschungen zu einem ausgewählten Problem der mittelalterlichen Geschichte oder ihre Master- bzw. Doktorarbeiten vorstellen.

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