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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2009 - Matthias Becher

Prof. Dr. Matthias Becher

Das frühmittelalterliche Königtum (Vorlesungsnr. 504000185)

Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort: Hörsaal III (Hauptgebäude)
Beginn: 16. April 2009

Seit der Begründung einer „Neuen Verfassungsgeschichte“ in den 1930er Jahren ist ‚Herrschaft’ zu einem Schlüsselbegriff der deutschen Mediävistik avanciert. Ihre Vertreter erhoben sie zur zentralen Deutungskategorie sowohl des ‚Staates’ als auch der ‚Gesellschaft’ des Mittelalters. ‚Herrschaft’ galt ihnen als der zentrale Beitrag der Germanen zum Aufbau neuer Gemeinwesen nach dem Ende des Römischen Reiches und sei kein auf Befehl und Gehorsam gegründetes, einseitiges Verhältnis von Herrscher und Untertan gewesen, sondern ein von Gegenseitigkeit geprägtes Verhältnis, das auf der Verpflichtung zur gegenseitigen Treue beruhe: Der Herr habe seinem Mann Schutz und Schirm geschuldet, der Mann seinem Herrn im Gegenzug Rat und Hilfe. Die Königsherrschaft habe sich dabei nicht grundsätzlich von der Adelsherrschaft unterschieden. Ziel der Vorlesung ist es, diese Interpretation des mittelalterlichen Königtums zu hinterfragen und seine Bedeutung für die Geschichte des Frühmittelalters stärker zu betonen.

 Literatur: Otto Brunner, Land und Herrschaft. Grundfragen der territorialen Verfassungsgeschichte Österreichs im Mittelalter, 5. Aufl. 1965, zuerst 1939; Herrschaft und Staat im Mittelalter, hg. von Hellmut Kämpf (Wege der Forschung 2) Darmstadt 1956; Walter Pohl, Art. Herrschaft, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 2. Aufl., Bd. 14 (1999), S. 443-457; Staat im frühen Mittelalter, hg. von Stuart Airlie u. a. (Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 334 = Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 11) Wien 2006.

 

Consensus fidelium. Die Mitwirkung der Großen an der Regierung des Reiches (Hauptseminar Nr. 504000231)

Zeit: Di 10 - 12 Uhr
Ort: Hist. Sem. - kl. Übungsraum
Beginn: 14. April 2009

Elektronische Anmeldung über basis.uni-bonn.de. Nach Zulassung Übernahme eines Themas durch Eintragung in die im Sekretariat (Frau Gröne, Zimmer 106, 1. Etage) ausliegende Liste.

Teilnahmevoraussetzung ist neben den üblichen Anforderungen die Vorlage eines dreiseitigen Thesen- und Quellenpapiers 7 Tage vor dem Referatstermin.

Die politische Ordnung des Frankenreiches und seiner Nachfolger beruhte in hohem Maße auf dem Einverständnis zwischen dem König seinen „Großen“, den hohen geistlichen Würdenträgern und den führenden Vertretern des Adels. Daher spricht die jüngere Forschung von „konsensualer Herrschaft“ und entwickelt so den von der „Neuen Verfassungsgeschichte“ entwickelten Herrschaftsbegriff fort. In dem Seminar soll es einerseits um die konkreten Mechanismen – etwa Rituale – gehen, mit denen ‚Konsens’ hergestellt wurde, andererseits kritisch gefragt werden, wie weit dieser Interpretationsansatz zu einem vertieften Verständnis des Mittelalters beiträgt.

Literatur: Gerd Althoff, Die Macht der Rituale, Darmstadt 2003; Jürgen Hannig, Consensus fidelium: Frühfeudale Interpretationen des Verhältnisses zwischen Königtum und Adel am Beispiel des Frankenreiches (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 27) Stuttgart 1982; Bernd Schneidmüller, Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter, in: Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw, hg. von Paul-Joachim Heinig u. a. (Historische Forschungen 67) Berlin 2000, S. 53–87.

 

Politischer Neuanfang auf römischem Erbe: Herrscher des Frühmittelalters im Vergleich (Übung Nr. 504000242)

Zeit: Di 18 - 20 Uhr
Ort: Hist. Sem. - kl. Übungsraum
Beginn: 14. April 2009

Teilnahmevoraussetzungen sind gute Lateinkenntnisse sowie die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

Anmeldung und Übernahme eines Themas durch Eintragung in die im Sekretariat (Frau Gröne, Zimmer 106, 1. Etage) ab dem 26. Januar 2009 ausliegende Liste.

Das Frühmittelalter war durch einen nachhaltigen politischen Umbruch gekennzeichnet, den Untergang des Weströmischen Reiches und die Entstehung neuer Reiche auf seinem Boden. Ein solcher historischer Prozeß läßt sich zwar nicht auf das Wirken von herausragenden Einzelpersonen wie Kaisern und Königen reduzieren, aber doch an Hand ihrer Handlungen und Leistungen illustrieren. In der Veranstaltung sollen Herrscher wie Konstantin der Große, Theoderich der Große, Chlodwig oder Justinian in kurzen Referaten vorgestellt und diskutiert werden.

Literatur: Verena Postel, Die Ursprünge Europas. Migration und Integration im frühen Mittelalter, Stuttgart 2004; Walter Pohl, Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration, Stuttgart 2002.

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