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Dr. Simon Groth

Dr. Simon Groth

Geschichtsschreibung im Jahrhundert der Ottonen (Übung, Nr. 504002611)

Termin: mittwochs, 10 bis 12 Uhr

Ort: Raum III, Institut für Geschichtswissenschaft, Konviktstraße 11

Beginn: 13.04.2022

 

Das 10. Jahrhundert gilt einer viel zitierten Wendung nach als ‚dunkles Jahrhundert‘. Hintergrund dieses Urteils ist der Rückgang der Schriftlichkeit im Vergleich zu der karolingischen Zeit. Und in der Tat ist für die erste Hälfte des folgenden Säkulums eine signifikante Lücke historiographischer Werke zu konstatieren. Doch bereits um die Mitte des 10. Jahrhunderts erfuhren die Geschichtsschreibung sowie die Schriftlichkeit insgesamt einen enormen Aufschwung. Insbesondere im ostfränkischen Herrschaftsraum unter Otto I. (936-973) entstanden zahlreiche historiographische Texte. Autoren wie Widukind von Corvey, Liutprand von Cremona, Hrotsvit von Gandersheim und der sog. Continuator Reginonis beschrieben dabei den Aufstieg der Ottonen allesamt aus dem Blickwinkel des zunächst gar nicht abzusehenden Erfolges dieses Herrschergeschlechts; Thietmar von Merseburg wiederum, im Wissen um die Kinderlosigkeit Heinrichs II. (1002-1024), das Ende der ottonischen Dynastie.

Im Seminarverlauf wollen wir uns gemeinsam die durchaus gegebene Vielfalt der Werke erschließen und die methodischen Probleme der Auswertung mittelalterlicher Geschichtsschreibung für die Rekonstruktion der Ereignisgeschichte diskutieren, für die die Geschichtsschreibung im Jahrhundert der Ottonen ein lehrreiches Beispiel ist.

In der Übung sollen der Umgang mit Quellen, Hilfsmitteln und Forschungsliteratur erlernt sowie die mündliche und schriftliche Diskussion wissenschaftlicher Fragestellungen eingeübt werden. Folglich werden rege Mitarbeit, Vor- und Nachbereitung der Sitzungen (einschließlich schriftlicher Hausaufgaben) sowie die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats erwartet. Eine Prüfungsleistung wird durch das Erstellen einer Hausarbeit erbracht.


EINFÜHRENDE LITERATUR:

GIESE, Martina: Die Historiographie im Umfeld des ottonischen Hofes. In: Die Hofgeschichtsschreibung im mittelalterlichen Europa. Projekte und Forschungsprobleme, hg. von Rudolf Schieffer, Rudolf und Jaroslaw Wenta (Subsidia historiographica 3). Torún 2006, S. 19-37.

 

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