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Dr. Eugenio Riversi

Dr. Eugenio Riversi

"Streit, Erzählung, Epoche". Darstellungen von sozialen Konflikten im 11. Jahrhundert als Spuren einer Wendezeit." (Übung, Nr. 504002644)

Termin: montags, 12 bis 14 Uhr

Ort: Raum III, Konviktstraße 11

Beginn: 13.04.2022

 

Das 11. Jahrhundert als Periode von Krisen und Aufbrüchen ist in den letzten dreißig Jahren immer mehr in den Fokus der Konfliktforschung gerückt. Die damaligen Quellen berichten von zunehmenden sozialen Spannungen, Auseinandersetzungen, Spaltungen, Schismen und sogar von ‚Bürgerkriegen‘. Die dichte Beschreibung dieser vielfältigen Konflikte führt gerade zur Revision einiger großer Deutungsparadigmen dieser Epoche: Investiturstreit, Entfaltung der Feudalgesellschaft („mutation féodale“), Kommunalisierung und Kirchenreform. Anhand der Analyse von Chroniken und Urkunden kann man europaweit das damalige Streben neuer aufsteigender sozialer Gruppen nach Anerkennung und Teilhabe an den kirchlichen und politischen Institutionen beobachten. Denn nicht nur Päpste, Herrscher, Fürsten, Bischöfe und Äbte, sondern auch Burgherren, professionelle berittene Krieger bzw. Ministerialen, Gelehrte, Geschäftsleute sowie Eremiten, Mönche und Regularkanoniker waren Akteure dieser konfliktbeladenen Prozesse.

In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinische Texte und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die Forschungsliteratur vorgestellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein Referat über die damaligen Konflikte und deren Akteure zu halten. Die Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht.


Im Fall der digitalen Durchführung des Kurses werden die Lernmedien des Kurses und die entsprechenden Leistungen auf eCampus teilweise angepasst.

Gerd Althoff, Vom Konflikt zur Krise. Praktiken der Führung und Beilegung von Konflikten, in: Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hrsg.), Salisches Kaisertum und neues Europa. Die Zeit Heinrichs IV. und Heinrichs V., Darmstadt 2007, S. 27–45. Thomas Kohl, Streit, Erzählung, Epoche. Deutschland und Frankreich um 1100, Stuttgart 2019 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 67). Thomas Kohl (Hrsg.), Konflikt und Wandel um 1100. Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit, Berlin/Boston 2020 (Europa im Mittelalter, 36). Jörg Jarnut/Matthias Wemhoff (Hrsg.), Vom Umbruch zur Erneuerung? Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert – Positionen der Forschung, München 2006 (MittelalterStudien, 13). Tilman Struve, Die Wende des 11. Jahrhunderts. Symptome eines Epochenwandels im Spiegel der Althoff, Vom Konflikt zur Krise. Praktiken der Führung und Beilegung von Konflikten, in: Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hrsg.), Salisches Kaisertum und neues Europa. Die Zeit Heinrichs IV. und Heinrichs V., Darmstadt 2007, S. 27–45. Thomas Kohl, Streit, Erzählung, Epoche. Deutschland und Frankreich um 1100, Stuttgart 2019 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 67). Thomas Kohl (Hrsg.), Konflikt und Wandel um 1100. Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit, Berlin/Boston 2020 (Europa im Mittelalter, 36). Jörg Jarnut/Matthias Wemhoff (Hrsg.), Vom Umbruch zur Erneuerung? Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert – Positionen der Forschung, München 2006 (MittelalterStudien, 13). Tilman Struve, Die Wende des 11. Jahrhunderts. Symptome eines Epochenwandels im Spiegel der Geschichtsschreibung, in: Historisches Jahrbuch, 112 (1992), S. 324–365. Hannah Vollrath, Konfliktwahrnehmung und Konfliktdarstellung in erzählenden Quellen des 11. Jahrhunderts, in: Stefan Weinfurter (Hrsg.), Die Salier und das Reich, Bd. III, Sigmaringen 1991, S. 279–296.

 

 

"Wissensordnungen im Wandel". Entwicklung und Aussendifferenzierung von Theologie, Recht und Rhetorik im aufziehenden Hochmittelalter (1000 - 1150) (Übung, Nr. 504002683)

Termin: donnerstags, 14 bis 16 Uhr

Ort: Bibliotheksraum Mittelalter, Konviktstraße 11

Beginn: 14.04.2022

 

In den zentralen Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts offenbart die beeindruckend zunehmende, jedoch nicht unumstrittene Autorität einiger Schulen und deren gelehrter magistri vor allem in Paris und Bologna die tiefe Transformation der hochmittelalterlichen Wissensordnungen bzw. -kulturen. Führende Disziplinen – die Theologie, das römische und das kanonische Recht, sowie die Rhetorik – wurden stark umstrukturiert, systematisiert, differenziert und durch neue Soziabilitätsformen vermittelt. Die entscheidenden Impulse zu diesen innovativen Prozessen – wie zum Beispiel der Entstehung und Entwicklung einer briefzentrierten Kommunikationstheorie: der Ars dictaminis – waren in dringende religiöse Bedürfnisse, in institutionelle Krisen und sogar in politische Konflikte des 11. Jahrhunderts eingebettet. Ausgehend von der Kirchenrechtssammlung Burchards von Worms, von der berengarianischen Kontroverse um die Eucharistie und von den brieflichen Traktaten von Petrus Damiani konzentriert sich der Kurs auf einige „Übergangsfiguren“, die um 1100 neue Wissenskriterien umsetzten. Der immer größere Erfolg einer neuen „Wissenschaftlichkeit“ wurde jedoch auch von Misstrauen begleitet, wie die Prozesse der 1140er Jahre gegen Petrus Abaelardus und Gilbert von Poitiers zeigen, die zum Schluss betrachtet werden.
In der Übung werden vor allem Quellen gelesen und kommentiert (lateinische Texte und, soweit vorhanden, deutsche/englische Übersetzungen) sowie die Forschungsliteratur vorgestellt und diskutiert. Erwartet wird die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und ein Referat über die damaligen Gelehrten, deren Werke und Aspekte der Disziplinen zu halten. Die Prüfungsleistung wird durch eine schriftliche Hausarbeit erbracht. Die Prüfungsleistung wird im fachwissenschaftlichen Master durch eine Klausur und im Master für das Lehramt durch ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht.


Im Fall der digitalen Durchführung des Kurses werden die Lernmedien des Kurses (Lernmodule bzw. Blog) und die entsprechenden Leistungen (Übungen und Blogbeiträge) auf eCampus teilweise angepasst.

Florian Hartmann (Hrsg.), Brief und Kommunikation im Wandel. Medien, Autoren und Kontexte in den Debatten des Investiturstreits, Köln/Weimar/Wien 2016 (Papsttum im mittelalterlichen Europa, 5). Florian Hartmann/Benoît Grévin (Hrsg.), Ars dictaminis. Handbuch der mittelalterlichen Briefstillehre, Stuttgart 2019 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 65). Wilfried Hartmann, Rhetorik und Dialektik in der Streitschriftenliteratur des 11./12. Jahrhunderts, in: Johannes Fried (Hrsg.), Dialektik und Rhetorik im früheren und hohen Mittelalter. Rezeption, Überlieferung und gesellschaftliche Wirkung antiker Gelehrsamkeit vornehmlich im 9. und 12. Jahrhundert, München 1997 (Schriften des Historischen Kollegs – Kolloquien, 27), S. 73–95. Birgit Kynast, Tradition und Innovation im kirchlichen Recht. Das Bußbuch im Dekret des Bischofs Burchard von Worms, Ostfildern 2020 (Quellen und Forschungen zum Recht im Mittelalter, 10). Frank Rexroth, Fröhliche Scholastik. Die Wissenschaftsrevolution des Mittelalters, München 2018. Sita Steckel, Kulturen des Lehrens im Früh- und Hochmittelalter. Autorität, Wissenskonzepte und Netzwerke von Gelehrten, Köln/Weimar/Wien 2011 (Norm und Struktur, 39).


  

Inklusionsorientierte Fragestellungen im Fach Geschichte (Plenum, Nr. 504002632)

 

Termin: freitags, 10 bis 12 Uhr

Ort: Hörsaal XV, Hauptgebäude

Beginn: 22.04.2022

 

Die Veranstaltung behandelt und problematisiert das inklusive Potenzial des Lernens und Lehrens von Geschichte, um ein neues Professionalitätsverständnis der Lehrkräfte einzuleiten (Punkt 14 der Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung). Im ersten Teil des Kurses werden die Prinzipien und Ziele der schulischen Inklusion kurz erläutert. Außerdem wird auf einige allgemeine, im Geschichtsunterricht einsetzbare didaktische Strategien bzw. Methoden hingewiesen. Ferner werden spezifischere Positionen aus der inklusiven Geschichtsdidaktik präsentiert und das Potenzial einiger Grundlagen der Disziplin für die Konzipierung bzw. Anpassung konkreter, auf Inklusion zielender didaktischer Tätigkeiten dargestellt (Subjektivität, Narrativität, Grundkompetenzen zur Orientierung in der Geschichte, Gegenwartsbezug, historische Prägung der Umgebung). Der fachliche Schwerpunkt der Kursinhalte liegt in der Vormoderne mit besonderer Berücksichtigung von Geschichtsproblemen und Ansätzen, die historische Prozesse der Inklusion und der Exklusion thematisieren. Auf Basis dieser Impulse werden von den Studierenden für den zweiten Teil des Kurses didaktische Projekte in Paar- und Gruppenarbeit vorbereitet, in eCampus hochgeladen, durch Peer-Feedbacks individuell kommentiert und in einem Referat (max. 20 Min.) vorgestellt.


Die Studienleistung besteht aus der Bearbeitung, Kommentierung und Vorstellung der Projekte und aus einer Klausur, in der die Studierenden die behandelten Themen reflektieren und die eigenen Projekte darstellen und begründen.


Im Fall der digitalen Durchführung des Kurses werden die Lernmedien des Kurses und die entsprechenden Leistungen (Problemaufgaben) auf eCampus teilweise angepasst.


Heinrich Ammerer, Historische Orientierung im Geschichtsunterricht, Frankfurt am Main 2019 (Kleine Reihe Geschichte). Bettina Alavi/Eva-Kristina Franz, Inklusions-Material Geschichte. Klasse 5–10, Berlin 2017. Sebastian Barsch/Bettina Degner/Christoph Kühberger/Martin Lücke (Hrsg.), Handbuch Diversität im Geschichtsunterricht. Inklusive Geschichtsdidaktik, Frankfurt am Main 2020. Sandra Müller, Inklusion in der Geschichtsdidaktik. Ein Literaturbericht, in: Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 1 (2017), S. 159–182. Sebastian Barsch, Inklusiven Geschichtsunterricht planen, Frankfurt am Main 2020 (Kleine Reihe Geschichte). Thomas Sandkühler u. a. (Hrsg.), Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert: Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung, Göttingen 2018 (Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, 17), S. 177–262.

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