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Bekehrungsmotive - Untersuchungen zum Christianisierungsprozess im römischen Westreich und seinen germanisch-romanischen Nachfolgern (4.-8. Jh.)

Teilprojekt des DFG-Schwerpunktprogramms 1173 - "Desintegration und Integration mittelalterlicher Kulturen in Europa"

Betreuung:

Prof. Dr. Matthias Becher

Bearbeitung:

Daniel König, M.A.

 

Projektskizze

Das in Arbeit befindliche Dissertationsvorhaben wird als Einzelprojekt des SPP 1173 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Das  im Juli 2005 lancierte Programm beschäftigt sich aus der Perspektive 20 verschiedener Forschungsprojekte an 14 verschiedenen Universitäten mit Desintegrations- und Integrationsprozessen im europäischen Mittelalter. Weitere Informationen finden sich unter http://www.spp1173.uni-hd.de.

Das Einzelprojekt "Bekehrungsmotive" beschäftigt sich mit den Beweggründen und Motiven von Menschen aus dem 4.-8. Jh. im kontinentalen Teil Westeuropas, das Christentum oder eine christliche Lebensweise anzunehmen. In den zeitgenössischen Quellen findet man vielfach Hinweise auf Bekehrungsprozesse: Rhetoren und Intellektuelle, römische Kaiser und Aristokraten, germanische Fürsten und Adlige, Beamte, Händler, Soldaten, Landarbeiter, Schauspieler, Prostituierte, Sklaven, Aussätzige, junge und alte Menschen, Frauen und Männer etc. nahmen das Christentum oder eine christliche Lebensweise an. Ihre frühere religiöse Überzeugung, ihre Herkunft, ihr Bildungsgrad, ihr sozialer Status, ihre persönlichen Lebensumstände, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie lebten, die Art, wie sie mit dem Christentum in Kontakt traten wie auch viele andere Faktoren beeinflussten ihren Bekehrungsprozess.

Teilweise werden in den Quellen explizit Motive genannt, teilweise lassen sie sich indirekt über in den Quellen dokumentierte (auto)biographische Angaben, sowie über Argumente, Gesetze und Aktionen erschließen, die sowohl die Zugehörigkeit zum Christentum als auch die Verstärkung christlicher Elemente in Weltbild und Lebenspraxis attraktiv, ein Verharren im Nichtchristentum dagegen unattraktiv machten. Methodisch stellt sich dabei das Problem, ob Motive und Beweggründe von Menschen vergangener Zeiten tatsächlich erschlossen werden können: Die Quellen erlauben zunächst, das Spektrum der in den Quellen formulierten Bekehrungsmotive als Teil der zeitgenössischen Vorstellungs- und damit Lebenswelt wiederzugeben sowie auf dem Hintergrund der (oftmals schwer rekonstruierbaren) historischen Faktenlage die Plausibilität bestimmter Bekehrungsmotive aufzuzeigen. Durch die Verschränkung verschiedener voneinander unabhängiger Aussagen aus mehreren Quellengattungen lassen sich allerdings teilweise relativ sichere Aussagen über die für den Christianisierungsprozess des 4. bis 8. Jh. relevanten Bekehrungsmotive treffen.

Ziel der Arbeit ist es, durch die kritische Analyse von Quellen und Forschungsthesen möglichst viele Beweggründe nachzuweisen, diese im Hinblick auf ihre Relevanz für den Christianisierungsprozess zu gewichten und zu ergründen, unter welchen gesellschaftlichen Umständen sie entstanden.

Das Projekt wurde abgeschlossen mit der Dissertation von Daniel König: Bekehrungsmotive: Untersuchungen zum Christianisierungsprozess im römischen Westreich und seinen romanisch-germanischen Nachfolgern (4.-8. Jh.), (Historische Studien 493), Husum 2008.

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