Sphragistik

Die Sphragistik untersucht epochenübergreifend in Fragestellung und Methodik das gegenständliche Siegel in seinen unterschiedlichen Formen, Funktionen und Typen. Zudem wird das Siegel in seiner Materialität und mit einem weit gefassten kulturhistorischen Ansatz analysiert.

Siegel dienen seit der Antike bis in die heutige Zeit als Erkennungs-oder Gütezeichen sowie Verschluss-und Beglaubigungsmittel.

Sie werden hinsichtlich von Typologien (nach Ausstellern, Bildern und Formen – rund, spitz, oval, etc.) untersucht. Auch Größe und Umschrift spielen eine Rolle. Ebenso wird der Herstellungsprozess selbst (Vorgang der Besiegelung in der Kanzlei, verwendete Materialien, Befestigungstechniken, etc.) ins Licht der Forschung gerückt.

Außerdem stehen kulturhistorische Fragestellungen im Fokus, etwa nach den rechtlichen Komponenten der Siegelführung sowie nach den Intentionen von Siegelbild und Umschrift, beispielsweise hinsichtlich des Gebrauchs als Hoheitszeichen oder Repräsentationsmittel.

Die Forschung beschäftigt sich, wie auch die Diplomatik oder die Numismatik, mit Fälschungen (bspw. Fälschung v. Siegelstempeln oder Siegelmissbrauch).

 Sphragistik

Aktuelle Tendenzen:

  • „Materialwissenschaften“
  • Verstärkte Analyse nicht-diplomatischer Siegelarten
  • Untersuchung einzelner Gruppen von Siegelführern
  • Siegel zur Identitätsstiftung und Repräsentation
  • Erschließung und Zugänglichmachung von Siegelsammlungen

 

Zum Weiterlesen

Die Sphragistik stellt also sozusagen das know-how für die verschiedensten interdisziplinären Ansätze dar, Siegel für ihre jeweiligen Fragestellungen nutzbar zu machen: So fragt die Diplomatik traditionell etwa nach Echtheitskritik, Datierung oder Kanzleigeschichte. Der rechtsgeschichtliche respektive juristische Ansatz kann sich mit Themen wie dem Siegelrecht oder der rechtlichen Stellung von siegelnden Personen (Frauen, Juden, etc.) oder Institutionen (Zünfte, Gaffeln, etc.) befassen. Die politische Geschichte kann das Siegel in puncto Herrscherideologie, Selbstbild des Siegelführenden oder der Funktion als Propagandainstrument zum sprechen bringen. Die Kunstgeschichte nähert sich dem Siegel über seine bildlichen Darstellungen in Bezug auf Typologien, Symbolik oder Ikonographie. Auch neuere Forschungstendenzen, wie die Mentalitätsgeschichte, verfügen über die verschiedensten Ansätze zur Auswertung des Siegels als Quelle (Gestaltung der Siegel, Einflüsse d. Zeit, etc.). Schließlich und letztendlich dient das Siegel als Quelle für weitere Hilfswissenschaften: z.B. Heraldik, Ikonographie, aber auch Disziplinen wie die Archäologie, Namenkunde, etc.

 

Links und Literatur

 

 

Handbücher und Überblicksdarstellungen:

  • Stieldorf, Andrea, Siegelkunde. Basiswissen (HahnscheHistorische Hilfswissenschaften 2), Hannover 2004.
  • Signori, Gabriela(Hrsg.), Das Siegel. Gebrauch und Bedeutung, Darmstadt 2007.
  • Diederich, Toni, Siegelkunde.Beiträge zu ihrer Vertiefung und Weiterführung, Wien u. a. 2012
  • Fabre, Martine, Sceau Medievale. Analyse d’une pratique culturelle (Patrimoines et Sociétés), L'Harmattan 2001

 

Ältere Handbücher:

  • Ewald, Wilhelm, Siegelkunde (Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte; Abt. 4, Hilfswissenschaften und Altertümer), 3. Aufl., 1975
  • Berchem, Egon Freiherr von, Siegel (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensammler 11), Berlin 1923
  • Kittel, Erich, Siegel (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde 11), Braunschweig 1970 

 

Abbildungswerke:

  • Posse, Otto, Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige von 751-1806 und 1871-1913, 5 Bde., Dresden 1909-13 (ND Weimar 1981).
  • Ewald, Wilhelm, Rheinische Siegel, 6 Bde., 1906-1941.
  • Die Westfälischen Siegel des Mittelalters, hrsg. v. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, 4 Bde., Münster 1882-1900. [Philippi, Tumbült, Ilgen]
  • Schramm, Percy E. u. Mütherich, Florentine (Hrsg.), Die deutschen Kaiser und Könige in Bildern ihrer Zeit 751-1190, München 1983.


 

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