Numismatik

Die Numismatik beschäftigt sich mit Münzen, Medaillen und Papiergeld. Ergänzend gibt es den Teilbereich der Geldgeschichte, die Preis-, Währungs- und Lohngeschichte zum Inhalt hat. Beide Bereiche behandeln auch weiterreichende politische, wirtschaftliche, soziale und kulturwissenschaftliche Fragestellungen.

 Muenze1

Die Numismatik hat ein eigenständiges, spezialisiertes Instrumentarium zur Beschreibung und Bestimmung von Münzen entwickelt. Zunächst ist zwischen drei Arten von numismatischen Quellen zu unterscheiden: Der einzelnen Münze, dem Münzfund mit ggf. mehreren Münzen und den schriftlichen Quellen. Die wissenschaftliche Quellenkritik besteht zunächst in der Herstellung von Beziehungen zu anderen Münzen, da diese selten einzeln produziert wurden, sondern in der Regel Massenwaren waren. Eine wichtige Methode ist hierbei die sog. 'Stempelkritik', die Aufschluss darüber geben kann, wie viele Stempel zur Prägung eines Münztyps verwendet wurden, was wiederum bei der Datierung und Lokalisation von Münzen hilfreich sein kann. Darüber hinaus spielt die Frage nach echt oder falsch eine zentrale Rolle. Zudem wird versucht, die Münze in einen größeren, allgemeingeschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Hier liegt auch der Wert der historischen Hilfswissenschaft Numismatik für die Geschichtswissenschaft: Aus der Erforschung der Münzen lassen sich wichtige Rückschlüsse auf Handel und Verkehr im Mittelalter ziehen, einen Bereich, der durch den Mangel an schriftlichen Quellen nur schwer zu erforschen ist. Außerdem lässt die Interpretation der Abbildungen auf der Münze Aussagen über Repräsentation und Selbstverständnis des Münzherren zu. Dies gilt auch für die Erforschung von Medaillen, die sich von Münzen darin unterscheiden, dass sie selten als offizielles Zahlungsmittel zugelassen waren und in erster Linie eine repräsentative bzw. auch symbolische Funktion übernahmen.

 

Aktuelle Tendenzen

In den letzten Jahrzehnten hat die Geldgeschichte neben der Numismatik immer weiter an Bedeutung gewonnen. Dieser Teilbereich beschäftigt sich weniger mit der konkreten Münze, sondern mit allgemeinen, meist wirtschaftshistorischen Fragestellungen und ist daher für die Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus versucht die Numismatik seit etwa 15 Jahren verstärkt Anschluss an die anderen historischen Hilfswissenschaften und die allgemeine Geschichte zu finden. Hierzu sind einige gut lesbare und wissenschaftlich fundierte Einführungen und Handbücher erschienen. Im Zuge des iconic turn finden in den letzten Jahren die Abbildungen auf Münzen und Medaillen verstärkt Beachtung in der Forschung.

 Muenze2

Zum Weiterlesen

Der Begriff Numismatik leitet sich vom griechischen nomisma bzw. lateinischen nummus ab und bezeichnet damit zugleich den Gegenstand dieser Hilfswissenschaft: Die Münze. Ihren Ursprung als wissenschaftliche Disziplin hat die Numismatik in der Zeit des Humanismus und der Renaissance. Bei der Wiederentdeckung der Antike waren Münzen eine der greifbarsten Quellen. Wesentliche Fortschritte machte die Numismatik im 18. Jahrhundert, als neben der Erforschung der Antike auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Mittelalter und der Gegenwart einsetzte. Erste Kataloge erschienen, die die Münzen einer bestimmten Region bzw. Herrscherdynastie verzeichneten. Auch die Trennung der Numismatik in einen antiken und einen mittelalterlich-neuzeitlichen Zweig hat in dieser Zeit ihren Ursprung. Im Gegensatz zur Diplomatik, die seit dem 18. Jahrhundert als Königsdisziplin unter den Hilfswissenschaften gilt, blieb die mittelalterliche und neuzeitliche Numismatik in Deutschland immer randständig. Auch an den Universitäten konnte sich die Münzkunde dort nicht etablieren und die Forschungstätigkeit verlagerte sich zusehends in Museen und Münzkabinette.

 

Links und Literatur

http://numismatik.univie.ac.at/onlineressourcen/

http://www.kenom.de/ 

http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/muenzkabinett/home.html 

 

Elsas, Moritz J. et al., Umriss einer Geschichte der Preise und Löhne in Deutschland, 3 Bde., Leiden 1936-1946. 

Grierson, Philip, Münzen des Mittelalters. München 1976

Kluge, Bernd, Numismatik des Mittelalters, Bd. 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi (Österreichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte,  Bd. 769), Berlin/Wien 2007. 

Klüßendorf, Niklot, Numismatik und Geldgeschichte. Basiswissen für Mittelalter und Neuzeit, Peine 2015. 

Morrisson, K.F. et Grunthal, H., Carolingian Coinage (Numismatic Notes and Monographs 158), New York 1967.

North, Michael, Von Aktie bis Zoll. Ein historisches Lexikon des Geldes, München 1999.

 

 

 

Artikelaktionen