Kodikologie

Die Kodikologie befasst sich mit Herstellung, Aufbau, Form/Gestaltung und Aufbewahrung von Büchern (!).

Die Kodikologie oder Buchkunde, wie sie in der Definition ganz allgemein genannt wurde, hat das Buch in all seinen Facetten zum Inhalt. Dies ist eine sehr offene Auffassung dieser noch recht jungen Teildisziplin der Historischen Grundwissenschaften und umschreibt damit sowohl die inhaltliche als auch äußerliche Gestaltung eines Buches und bezieht dadurch eine Vielzahl anderer Disziplinen mit ein, die entweder einen anderen großen Interessenraum abdecken und sich so überlagern können, wie z.B. die Paläographie (Schriftkunde), oder aber als weitere Differenzierung und Spezialisierung entstanden sind, wie die Einbandkunde.

Am Ende der Beschäftigung mit einem bestimmten Buch steht zumeist eine mehr oder weniger detaillierte Beschreibung, die Elemente umfasst, wie Aufbewahrungsort, Signatur, Erscheinungsbild, Herkunft und Inhalt.

Dadurch gelingt es der Buchkunde Anknüpfungspunkte für kulturgeschichtliche Zusammenhänge zu schaffen, wie Buchproduktion, -rezeption und allgemeine Schriftlichkeit.

 Kodikologie


Aktuelle Tendenzen

Neben den rege betriebenen Einzelstudien/Beschreibungen werden natürlich eifrig Daten in großer Zahl gesammelt und ausgewertet, um Aussagen zu Entwicklungen, Datierung und Fertigungspraxis in allen Ausbreitungsgebieten machen zu können. Unter der Bezeichnung „Vergleichende Kodikologie“ ermöglicht diese Methode der Auswertung immer neue Erkenntnisse und Einsichten in die Buchproduktion.

Die „strukturelle Kodikologie“ ist ein neuer methodischer Ansatz, der den Kodex nicht, wie in Handschriftenkatalogen üblich, in seine Einzelteile zergliedern will, sondern ihn als Einheit erfasst und so in seiner Komplexität besser begreifbar machen möchte.

Die Aufbereitung von kodikologischen Grundbegriffen und Besonderheit auch für Laien im Internet erfreut sich immer wachsender Beliebtheit. Davon zeugen diverse Blogs, Internet- und Facebookseiten von renommierten Forschern aber auch Institutionen, die sich dieser Medien zur Öffentlichkeitsarbeit bedienen.

 

Links und Literatur

Quill: Books before Print: http://www.bookandbyte.org/quill/index.php

Medieval books blog: http://medievalbooks.nl/

Sexy Codicology on Facebook: https://www.facebook.com/SexyCodicology/?fref=ts 

http://digitizedmedievalmanuscripts.org

 

Clemens, Raymond et Graham, Timothy, Introduction to manuscript studies, Ithaca 2007.

Kluge, Matthias, Handschriften des Mittelalters. Grundwissen Kodikologie und Paläographie, Ostfildern 2014.

Mazal, Otto, Lehrbuch für Handschriftenkunde(Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 10) . Wiesbaden 1986.

Trost, Vera, Skriptorium. Die Buchherstellung im Mittelalter, Stuttgart 2011.

Mummendey, Richard, Von Büchern und Bibliotheken. 6. Aufl., Darmstadt 1984.

Foot, Mirjam M., The History of Bookbinding as a Mirror of Society (The Panizzi Lectures 1997) . London 1998.

Mazal, Otto, Zur Praxis des Handschriftenbearbeiters. Mit einem Kapitel zur Textherstellung (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 11)., Wiesbaden 1987

Muzerelle, Denis, Vocabulaire codicologique. Répertoire méthodique des termes français relatifs aux manuscrits (Rubricae. Histoire du livre et des textes 1) , Paris 1985.

 

Zeitschrift: Scriptorium. Revue internationale des études relatives aux manuscrits/ International review of manuscript studies.[Link]

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