Epigraphik

Die Epigraphik befasst sich mit Inschriften. Diese sind Texte, die nicht ursprünglich auf Papier, Papyrus und Pergament geschrieben worden sind. Sie wurden unter Anwendung unterschiedlicher Techniken auf Stein, Holz, Metall, Leder, Stoff, Glas usw. angebracht.

Die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit beschäftigt sich mit Inschriften auf Bauwerken wie Kirchen, Burgen, Stadtmauern und Privathäusern sowie auf Grabmälern, Glocken, Glasfenstern, Textilien und Alltagsgegenständen. Man unterscheidet drei Gegenstandsbereiche innerhalb der Epigraphik: die Schrift, die Sprache und den Bezug zwischen Inschrift und Träger.

 Die ältesten Sammlungen mittelalterlicher Inschriften stammen aus dem hohen Mittelalter. In Handschriften überwiegend aus dem 9. bis 12. Jahrhundert findet sich eine Vielzahl von Abschriften verschiedener Inschriften des frühen und hohen Mittelalters, darunter etwa Grab-, Weih- und Bauinschriften. In der Zeit danach entstand eine Reihe weiterer Inschriftensammlungen, ab dem 17. Jahrhundert wurden Sammlungen aus Deutschland in größerem Umfang veröffentlicht.

 Epigraphik

Abb. 14 aus: Giersiepen, Helga, Die Inschriften der Stadt Bonn, in: Die Deutschen
 Inschriften, Bd. 50, Wiesbaden 2000.

 

Die Disziplin der Epigraphik wurde in der Erforschung des Mittelalters und der Frühen Neuzeit lange vernachlässigt, da Inschriften in dieser Zeit nur eine von vielen Quellen waren – anders als in der Antike, in der Inschriften die wichtigste Quellengattung darstellten. Anfang der 1930er Jahre wurde das Projekt „Die Deutschen Inschriften“ ins Leben gerufen. Die wissenschaftlichen Akademien in Deutschland und Österreich haben es sich seitdem zur Aufgabe gemacht, Inschriften aus dem Zeitraum  des 6. Jahrhunderts bis zum Jahr 1650 aus Deutschland, Österreich und Südtirol zu sammeln, wissenschaftlich zu bearbeiten und in kritischen Editionen zu publizieren. Bislang sind 90 Bände erschienen, die sich den Inschriften einzelner Gebäude, Städte oder Stadt- und Landkreise widmen.

 

Aktuelle Forschungstendenzen

  • Editionstätigkeiten: Kontinuierliche Veröffentlichungen der großen Editionsreihen, Publikationen im kirchlichen Bereich, Inschriftliche Quellen einzelner Regionen

Materialien der Inschriftenträger, Bearbeitungstechniken und Schriftgestaltung

 

Links und Literatur


An der Universität Bonn angesiedelt gibt es eine eigene Arbeitsstelle zur Erforschung von Inschriften: 

https://www.igw.uni-bonn.de/-1/hilfswissenschaften/forschung/arbeitsstelle-inschriften 

Homepage der Historischen Grundwissenschaften und Historischen Medienkunde der Universität München:  http://www.hgw.geschichte.uni-muenchen.de/aktuelles/index.html

Epigraphisches Forschung- und Dokumentationszentrum der Universität München: http://www.epigraphica-europea.uni-muenchen.de/

Online-Ausgabe der „Die Deutschen Inschriften“: http://www.inschriften.net/

 

Kloos, Rudolf M., Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Darmstadt 1980.

Giersiepen, Helga et Bayer, Clemens, Inschriften, Schriftdenkmäler. Techniken, Geschichte, Anlässe, Niedernhausen 1995.

Koch, Walter, Inschriftenpaläographie des abendländischen Mittelalters und der frühen Neuzeit. Früh- und Hochmittelalter, Wien 2007.

 

 


 

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