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Forschung

Laufende Forschungsprojekte

Bilder vom König. Macht und Herrschaft der ostfränkisch-deutschen Könige im Siegel- und Münzbild (936–1250)

Teilprojekt im SFB 1167 "Macht und Herrschaft. Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive"

Herrscherbilder sind eine charakteristische Visualisierung monarchischer Macht in der Vormoderne. Ihre Analyse erschließt die Elemente der Herrschaftslegitimation, auf die sich die Herrscher in besonderer Weise berufen; dieses Teilprojekt nimmt Siegel- und Münzbilder in den Blick. Die Siegel der ottonischen Herrscher im 10. Jahrhundert zeigen eine dynamische Entwicklung des Herrscherbildes bis zur Ausbildung des Thronsiegels um 1000, das zum maßgeblichen Typus des Herrschersiegels wird. In zeitlicher Parallele gewinnt das Herrscherbild auf den Münzen an Bedeutung, um im 11. und 12. Jahrhundert eine große Vielfalt an Darstellungsformen auszubilden. Beide Bildträger zeigen affirmative Bildnisse offiziellen Charakters, die in unterschiedliche Funktionszusammenhänge (Authentifizierung der Herrscherurkunden bzw. Garantie des Silbergehaltes der Münzen) eingebunden sind. Münz- und Siegelbilder stellen keine einseitige Äußerungen aus dem Umfeld des Herrschers dar, sondern spiegeln Diskurse auf der Ebene der geistlichen wie weltlichen Funktionseliten, die bei der Herrschaftsbegründung zusammenwirken.

Bearbeiter: Prof. Dr. Andrea Stieldorf, Mareikje Mariak MA, Max Stimpert MA


Zwischen Regional- und Universalgewalt. Die Gründungsurkunden mitteleuropäischer Universitäten des Spätmittelalters

Bei diesem Projekt geht es um die Weiterentwicklung der spätmittelalterlichen Diplomatik am Beispiel der Gründungsdokumente für Universitäten bis ins 16. Jahrhundert und die Anwendung diplomatischer Arbeitsweisen auf Fragen der Universitäts- und Wissensgeschichte. Dabei bilden nicht, wie üblich, kanzleigeschichtlich ein Aussteller oder der Empfänger der Urkunden den Ausgangspunkt der Überlieferung. Stattdessen wird gefragt, wie gehen Aussteller damit um, wenn es eine konkrete Aufgabe zu bewältigen gilt, in konkreten Fall die Gründung einer Universität. Dies scheint insbesondere für die spätmittelalterliche Diplomatik, die bislang meist im Schatten des frühen und hohen Mittelalters gestanden hat, ein vielversprechender möglicher Ansatz zu sein, um die Leistungsfähigkeit spätmittelalterlicher Urkunden sowohl als Rechtsdokumente für den Empfänger als auch als Instrumente der Herrschaftsrepräsentation für den Aussteller zu untersuchen. Im Zentrum stehen die Urkunden für die mitteleuropäischen Universitäten im „Reich“, die zwischen 1348, Prag, und 1502, Wittenberg, gegründet wurden.

 

Rheinisches Urkundenbuch digital – LVR „Digitalisierungsplattform“

Urkunden spielen im Rahmen der Erforschung des europäischen Mittelalters eine zentrale Rolle, da sie eine wichtige, oft auch einzigartige Quellenart zur Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte darstellen. Dies gilt auch für den rheinischen Raum, der eine große Bandbreite früh- und hochmittelalterlicher Urkunden bietet: Als Aussteller treten Herrscher und Päpste auf, aber auch geistliche und weltliche Herrschaftsträger wie Bischöfe, Äbte/Äbtissinnen, Herzöge/Herzoginnen oder Grafen/Gräfinnen. Allerdings sind diese Urkunden bei genauerem Hinsehen nicht immer das, was sie zu sein vorgeben: Nicht wenige der überlieferten Dokumente wurden gefälscht, um einen bestimmten Rechtstitel zu „beweisen“; dabei bedienten sich die Fälscher teils sogar echter Vorlagen. Oft liegen die Texte in einer nur schwer rekonstruierbaren Überlieferung vor, die vielfältige Überlagerungen von „echt“ und „falsch“, „Original“ und „Abschrift“ offenbar werden lässt. Damit müssen nicht nur die Texte, sondern auch ihre Materialität in den Blick genommen werden.

Bearbeitet werden sollen die frühen Urkunden von Kloster Maria Laach, Stift Münstereifel, Stift Rees, Kloster Vilich, Stift Zyfflich (später Kranenburg) sowie der Trierer Konvente. Sie werden auf ihren Wortlaut, aber auch ihre Materialität hin untersucht und in ihren historischen Zusammenhang eingeordnet. Die Ergebnisse des Projekts werden in Form einer digitalen Edition in Verbindung mit dem Internetportal „Rheinische Geschichte“ zur Verfügung gestellt. Damit sollten die Urkunden nicht ausschließlich zur wissenschaftlichen Nutzung zugänglich gemacht werden, sondern auch für anderweitig Interessierte sowie für die Arbeit im Schulunterricht aufbereitet werden. Deshalb wird einigen ausgewählten Urkunden auch eine deutsche Übersetzung beigefügt.

Viele der das Rheinland betreffenden Urkunden liegen immer noch in veralteten, oft auch unkritischen Drucken vor. Mit dem von ihm im Auftrag der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde bearbeiteten „Rheinischen Urkundenbuch“ wollte Erich Wisplinghoff (1999) zumindest die frühen Urkunden bis zum Jahr 1100 in einer modernen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition herausgeben. Nach dem Erscheinen der ersten beiden Bände (1972, 1994) konnte dieses Vorhaben jedoch nicht weitergeführt werden. Insofern harren viele aufschlussreiche Urkunden weiter ihrer wissenschaftlichen Erschließung.

Deshalb hat sich das von der Abteilung für Historische Grundwissenschaften und Archivkunde des Instituts für Geschichtswissenschaft an der Universität Bonn gemeinsam mit der LVR-Abteilung „Digitales Kulturerbe“ (LVR-Internetportal „Rheinische Geschichte“) erarbeitete Projekt „Rheinisches Urkundenbuch digital ‒ LVR-Digitalisierungsplattform“ zum Ziel gesetzt, dieses für die Erforschung der rheinischen Geschichte zentrale Editionswerk fortzusetzen.

 

Edition und Publizierung der Urkundensammlung des Instituts für Geschichtswissenschaft

Das Institut für Geschichtswissenschaft verfügt über eine umfangreiche Sammlung von mehr als 100 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Papst-, Herrscher- sowie Privaturkunden diverser Aussteller aus unterschiedlichen Regionen Europas. Diese Sammlung wurde und wird als Anschauungsmaterial für grundwissenschaftliche Lehrveranstaltungen des Instituts genutzt. Eine Verzeichnung steht anders als bei anderen universitären Sammlungen dieser Größenordnung, wie der des Historischen Seminars der Humboldt-Universität Berlin, bislang noch aus.

Um diesen Bestand für die historische Forschung zugänglich zu machen, werden die Urkunden derzeit beschrieben, transkribiert und kritisch aufgearbeitet. Geplant ist eine digitale Edition der einzelnen Stücke.

Digitale Abbildungen der Urkunden samt Regesten (teils auch Transkriptionen) sind bei monasterium.net hochgeladen.

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Von der Professorengattin zur Professorin. Frauen an und im Umfeld der Universität Bonn (1818-2018)

Bearbeitung: Ursula Mättig, Ines Neffgen MA

Studium und akademische Laufbahn von Frauen gelten in unserem Universitätsalltag als selbstverständlich. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass der Weg von Frauen an die Hochschule nicht als gradlinige Entwicklung vorgezeichnet war und sich ihre Rolle an und im Umfeld unserer Alma Mater in den 200 Jahren ihres Bestehens erheblich verändert hat.

Anlässlich des Universitätsjubiläums 2018 ist neben der Festschrift zur Geschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ein Sammelband erarbeitet worden, der die Aufmerksamkeit auf das Leben und Wirken von Frauen im Umfeld der Hochschule lenkt. Dabei wurden insbesondere Aufgaben und Bedeutung von Frauen für die Universität Bonn vor der Einführung des Frauenstudiums 1908 beleuchtet. Frauen waren bis dahin vornehmlich als Professorengattin eine nicht unerhebliche Stütze ihrer Männer und nahmen regen Anteil am reichen gesellschaftlichen Leben der Universitäts-, Garnisons- und Rentnerstadt Bonn. Erst mit der Möglichkeit zur Aufnahme eines regulären Studiums war der Weg für die allmähliche Etablierung von Studentinnen und Mitarbeiterinnen auf wissenschaftlicher Ebene bereitet, sollte jedoch auch in den folgenden Jahrzehnten von gesellschaftlichen und institutionellen Barrieren gekennzeichnet bleiben. Der Sammelband zeichnet diesen Wandel der Rolle von Frauen an der Universität Bonn - auch über die Wissenschaft hinaus - nach.

 

Buchcover 1

 

 

 

 

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