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Christoph Teubner

Christoph Teubner

 

Telefon:  0228 - 73 51 63

E-Mail: cteubner[at]uni-bonn.de

Sprechstunde: mittwochs von 13 - 14 Uhr.

Raum: 1.020

 

 

 

Zur Person

 

Studium der Geschichte und Germanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Abschluss mit der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien. 2015-2016 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. 2016 zudem Lehrkraft für besondere Aufgaben am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der FAU Erlangen-Nürnberg. Seit 10/2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der KU, 2016-2019 als Mitarbeiter der Arbeitsstelle unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 2019-2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der KU. Seit 2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Bonn.

 

Forschungs- und Lehrschwerpunkte

 

  •     Internationale Geschichte und
  •     Kulturgeschichte der Außenpolitik
  •     Mediengeschichte
  •     Geschichte des Bundeslandwirtschaftsministeriums
 
Mitgliedschaften
 
  •    Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)

 

Dissertationsprojekt

 

Arbeitstitel: Die westdeutsche Konstruktion der "Arabischen Welt". Wahrnehmungskonstruktionen in Öffentlichkeit und Außenpolitik. (Betreuer: Prof. Dr. Friedrich Kießling)

Kurzbeschreibung:

In meinem zeitgeschichtlichen Dissertationsprojekt untersuche ich die Entstehung, Wirkung und Transformation von Wahrnehmungskonstruktionen der 'Arabischen Welt' in westdeutschen außenpolitischen Diskursen in der Zeit von 1964 bis 1982. Bilder, Vorstellungen und andere Wissenskonstruktionen bestimmen unseren Alltag und werden zur alltäglichen Orientierung wie zum Meinungsaustausch im politischen Diskurs von den politischen Eliten genauso benutzt wie von anderen Teilen der öffentlichen Diskussion. Spätestens seit Edward Saids Orientalismus-Studie ist die Betrachtung von Konstruktionen und Narrativen des Anderen auch verstärkt in den Blick der Geschichtswissenschaft gerückt. Gerade aber im Bereich der Geschichte der Außenpolitik mit der MENA-Region finden sich für die Bundesrepublik hier Desiderate. Dabei ist ‚Arabische Welt‘ hier der in den Quellen vorrangig genutzte Begriff, hinter dem nicht nur eine Wortbedeutung steht, sondern ein Feld an Wissensbeständen, welches diskursiv gebildet, geformt und wieder zur Bewertung und damit zur Bildung von Realität herangezogen wird. Meine Arbeit verfolgt hier eine klassisch konstruktivistische Forschungsperspektive, demzufolge die Wahrnehmung von Wirklichkeit keine „objektive“, sondern immer eine sozial konstruierte Wahrnehmung ist. Als spezifischer Wissensbestand wird mit dieser Wahrnehmungskonstruktion nicht nur eine Aussage zu einem bestimmten Zeitpunkt getroffen, sondern dieser auch zur Konstruktion und Interpretation weiterer sozialer Konstruktionsprozesse herangezogen. Die Raumkonstruktion ‚Arabische Welt‘ ist dabei nicht nur Perzeption, sondern ebenfalls Grundlage für außenpolitische Prognosen und konkretes politisches Handeln. Es besteht ein Nebeneinander verschiedener Narrative, das sich im Verlauf des Betrachtungszeitraum stärker ausdifferenziert und in seiner übergeordneten pan-arabischen Deutung spätestens mit Abschluss des Camp David-Abkommens in Frage gestellt wird.

Die Arbeit wird von vier Leitfragen getragen. Grundsätzlich wird untersucht, wie und auf welche Weise gesellschaftliche Wahrnehmungskonstruktionen zur „Arabischen Welt“ entstehen, um hiernach weiter zu fragen, welche Konstruktionen das konkret sind, was sie ausmacht und wie sich diese Wissensformationen im Laufe des Betrachtungszeitraums entwickeln. Weiter soll geklärt werden, inwiefern sich diese Aspekte in Öffentlichkeit oder Teilöffentlichkeiten, zum Beispiel dem wissenschaftlichen Fachdiskurs, wiederfinden. Gibt es Reaktionen, Überformungen, Konsequenzen, Hierarchien oder Grenzen, beziehungsweise, in welchem Verhältnis stehen öffentliche Konstruktion von Weltwissen und außenpolitischer Entscheidungs- und Handlungsprozess, der ja im Untersuchungszeitraum vor allem von einem kleinen Kreis praktisch betrieben wird? Hieran knüpft abschließend auch die Frage nach Charakter, Aufbau und Funktionsweise des untersuchten Diskurses selbst.

Um diesen Fragen nachzugehen und dem angestrebten übergreifenden Feld an Diskursteilnehmern gerecht zu werden, analysiere ich Quellen aus Bundes- und Parteipolitik, Wissenschaft, Presse, Fernsehen und Tourismus. Diese Auswahl folgt nicht nur der Trennung in arkan und öffentlich, sondern versucht, über einen Medienmix verschiedene gesellschaftliche Bereiche abzudecken, in denen eine Auseinandersetzung mit der „Arabischen Welt“ vorhanden ist.

Mit diesem grob skizzierten Zuschnitt orientiert sich meine Arbeit klar an einer neuen Politikgeschichte beziehungsweise einer Kulturgeschichte der (Außen-)Politik. Sie soll dabei nicht nur einen Beitrag zum Verständnis aktueller Probleme leisten, sondern ganz konkret die Bildung, Transformation und Auswirkung von Wahrnehmungskonstruktionen in der bundesdeutschen Außenpolitik untersuchen. Neben grundlegenden Ergebnissen zur deutschen Außenpolitik mit der „Arabischen Welt“ wird sie zudem, angeschlossen am praktischen Beispiel, Diskursmechanismen offenlegen und Aussagen zum Verhältnis veröffentlichter Meinung und außenpolitischer Entscheidungsträger treffen können.

 

 

Publikationen

 

Tagungsbericht: Außenbeziehungen und Erinnerung, 16.05.2019 – 17.05.2019 Eichstätt, in: H-Soz-Kult, 18.10.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8477>.

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