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Flandern

11.03.2015

Flandern

 

 

 Gruppenbild

 

Bericht zur FNG-Exkursion nach Flandern

 

Die diesjährige Exkursion des Fördervereins Neuere Geschichte stand ganz im Zeichen des Gedenkens an die 100. Wiederkehr des Ausbruchs des 1. Weltkrieges. Die 30 mitgereisten Vereinsmitglieder erhielten auf der zweitägigen Fahrt nach Flandern einen eindrucksvollen Blick auf die Geschehnisse im nördlichsten Abschnitt der damaligen Westfront und den Schrecken des Stellungskrieges, dem die Soldaten auf beiden Seiten der Front zwischen Sommer 1914 und Herbst 1918 ausgeliefert waren.

Um einen ersten grundlegenden Überblick über die Kampfhandlungen und den Frontverlauf im Jahr 1914 zu bekommen, führte die erste Station der Exkursion zum Yserturm in Diksmuide. Der rund 80 m hohe Turm, in dem sich ein umfangreiches Museum zu den politischen, gesellschaftlichen und militärischen Aspekten des 1. Weltkrieges befindet, liegt unmittelbar am Fluss Yser und ist heute ein Mahnmal für die zwischen 1914 und 1918 gefallenen flämischen Soldaten der belgischen Streitkräfte. Während der Ersten Flandernschlacht, die insgesamt Verluste von mehr als 100.000  Gefallenen auf beiden Seiten forderte, hätte der Yserturm im unmittelbaren Frontverlauf gelegen. Oberst i.G. Dr. Winfried Heinemann, Chef des Stabes im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, der die Exkursion begleitete, erläuterte die militärischen Strategien und Überlegungen der verantwortlichen Befehlshaber. Das Ziel der deutschen Führung, das britische Expeditionskorps von seinen Nachschublinien abzuschneiden, konnte zwar unter massiven Kraftanstrengungen verhindert werden, dennoch manifestierte sich in den Folgen der Ersten Flandernschlacht der Grabenkrieg, der bis 1918 von keiner Seite durchbrochen werden konnte. Ergänzt wurden die Ausführungen von Dr. Heinemann durch einen Kurzvortrag von Anke Luise Weingärtner, die die medizinische Versorgung der durch die Wirkung der modernen Waffen des 1. Weltkrieges und den Gaseinsatz hervorgerufenen Kriegsverletzungen aufzeigte.

Der nächste Halt führte die Exkursionsgruppe zum deutschen Soldatenfriedhof Langemark. Dr. Christoph Studt, Universität Bonn, der in seinem Vortrag die Entstehungsgeschichte des Friedhofs skizzierte, ging in seinen Ausführungen auch auf den „Mythos Langemark“ ein, wonach hier vor allem junge Kriegsfreiwillige bestattet seien, die, wie die Oberste Heeresleitung glauben machen wollte, „unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen“ (Kommuniqué der OHL vom 11. November 1914) vorgegangen seien. Zu Recht sei Langemark heute als Mythos enttarnt, da nur ein Bruchteil der hier Gefallenen als Freiwilliger gedient habe und mitnichten direkt von Schulbank oder Hörsaal an die Front gekommen sei. Neben dem Gedenken an die mehr als 44.000 hier begrabenen deutschen Soldaten sei der „Opfergang von Langemark“ auch ein Beispiel dafür, wie die deutsche Öffentlichkeit nach Ende des Krieges in Teilen versucht habe, aus der Kriegsniederlage doch noch moralische Siege abzuleiten. Ergänzt wurde der Besuch des Friedhofs Langemark durch Besichtigung des „Tyne Cot Commonwealth War Graves Cemetery and Memorial of the Missing“ bei Passendale. Auf der weltweit größten britischen Friedhofsanlage ruhen rund 12.000 Soldaten. Zusätzlich sind knapp 35.000 Vermisste aufgeführt, denen eine namentliche Bestattung verwehrt blieb.

Zum Ende des ersten Tages kehrte die Gruppe in Brügge ein und traf sich hier zum gemeinsamen Abendessen und anschließendem Stadtbummel. Eine Führung durch den mittelalterlichen Stadtkern gab am zweiten Tag der Exkursion Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, der darauf hinwies, dass Brügge das seltene Glück gehabt habe, von Kriegen oder größeren Bränden in seiner Geschichte nahezu komplett verschont geblieben zu sein. Nur so sei es möglich gewesen, dass zahlreiche Gebäude und Sehenswürdigkeiten auch heute noch im Original erhalten geblieben sind.

Einen Höhepunkt der Reise bildete die Besichtigung des Museums „In Flanders Fields“ in Ypern. Das moderne Museum in der Tuchhalle der während des 1. Weltkrieges komplett zerstörten und später wiederaufgebauten Stadt gab abermals einen eindrucksvollen Blick auf Kampfhandlungen in Flandern. Dabei zeigte es nicht nur die großen militärischen und politischen Zusammenhänge, sondern verdeutlichte auch den Alltag und den zu verarbeitenden Schrecken der Soldaten an der Front und der von den Kämpfen betroffenen Zivilbevölkerung. Im Anschluss folgte ein Besuch des Menen-Tors, das zum Gedenken an rund 55.000 vermisste Soldaten des Commonwealth errichtet wurde und heute eines der bekanntesten britischen Kriegerdenkmale ist. Eine abschließende Führung zu ehemaligen Stellungen und Schützengräben mit einer einheimischen Fremdenführerin bildete den Abschluss einer gelungenen Exkursion, die auch im kommenden Jahr eine Fortsetzung finden wird.

 

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